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Blog

Recherche oder Ablasshandel? Eine verhängnisvolle Flugreise

Martina Polek

Der Recherchefonds von Junge Journalisten Schweiz will aufwendige Recherchen im Ausland ermöglichen. JJS-Mitglied Conradin Zellweger berichtet, wie aus einer Einladung zur Hochzeit eine Reportage für das Surprise Magazin wurde und was für eine Rolle dabei JJS spielte.

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«Unser Problem ist, dass das Problem hier unsichtbar ist», sagt Marco der Fotograf in Rio am Strand zu mir. Wir sind an der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes, der aus Brasilien kommt, jedoch in der Schweiz lebt. Er ist Umweltwissenschaftler, seine Frau auch. Für die Hochzeitsfeier sind ein Dutzend Menschen aus der Schweiz angereist. Darunter auch ich und der Fotograf. Mit unserer Flugreise haben wir alle zum Klimawandel beigetragen. Klimaschutz versus Freundschaft, darüber wollen Marco und ich eine Reportage machen. 

Der Recherchefonds der Jungen Journalisten bezahlte uns rund 1200 Franken im Voraus für die Recherche. Sozusagen eine Garantie, falls wir es in den Sand setzen und die Reportage nicht verkaufen können. Ursprünglich planten wir eine multimediale Reportage. Ton und Video sollten das pulsierende Fest erlebbar machen. Mit einer Liste von möglichen Abnehmern waren wir nach Brasilien abgereist, inklusive einer etwas konkreteren Interessensbekundung der WOZ.

 WIe kann man die schädlichen Auswirkungen einer Flugreise auf das Klima darstellen? 

WIe kann man die schädlichen Auswirkungen einer Flugreise auf das Klima darstellen? 

Doch vor Ort merken wir, die Multimedialität funktioniert nicht. Ton und Bild wirken nicht. Es passt nicht zum Thema. Die Stimmung kommt nicht rüber. Wir kippten Ton und Video. Bild und Text stellten uns vor genügend Probleme. Wie zeigt man Umweltauswirkungen? Wie zeigt man das Dilemma, dass man mit einem Flug seine Ökobilanz ruiniert um bei der Hochzeit guter Freunde anwesend zu sein? Hier in Brasilien müssen wir das Thema aktiv thematisieren. Von sich aus beginnt niemand darüber zu sprechen.

Zurück in der Schweiz ging’s ans schreiben. Ich merkte, dass es womöglich gut gewesen wäre, sich im Voraus auf eine Zeichenzahl zu einigen. Denn so schrieb die Reportage ohne Rücksicht auf mögliche Abnehmer. Sicher ein kapitaler Fehler, den ich mir nur erlauben konnte, weil unsere Spesen durch JJS gedeckt waren. Bei der WOZ klappte es dann auch prompt nicht: Zu lange, sprachlich nicht ganz passend.

Mit dem Magazin Surprise fanden Marco und ich vielleicht die passendste Abnehmerin überhaupt. Ein Projekt, dass sich für sozial Schwache einsetzt – da war unser Ablasshandel in guten Händen, da bereichert sich sicher niemand an unserem Experiment, das wir etwas auf Kosten der Umwelt gestartet haben. Mit der verkauften Reportage konnten wir gerade in etwa unsere Spesen wieder einnehmen, die wir vom Recherchefonds als Vorschuss bekommen haben. Aber eigentlich war es von Anfang an eine Mischrechnung. Wir wären ja sowieso an die Hochzeit geflogen.

Die Reaktionen auf unseren Artikel waren durchzogen. «Da kann ich nur den Kopf schütteln», «leisten einen aktiven Beitrag zur Klimazerstörung!», «schämt euch!» aber es gab auch positive Rückmeldungen. Das Thema polarisiert, denn es gibt kaum eine Lösung. Das macht es so spannend.

 Seele am Strand baumeln lassen liegt (fast) nicht drin.

Seele am Strand baumeln lassen liegt (fast) nicht drin.

Das Projekt hat lange gedauert. Von der Idee bis zum Druck ist fast ein Jahr vergangen. Es war ein tolles Jahr, die Thematik ist immer und immer wieder in meinem Kopf aufgepoppt. Die Reportage wäre vielleicht auch ohne den Recherchefonds von JJS entstanden. Wir waren nicht zwingend auf den Vorschuss angewiesen. Doch die Zusammenarbeit mit JJS hat einen anderen, womöglich noch wichtigeren Effekt gehabt: Wir erhielten Ratschläge, unser Konzept wurde kritisch beäugt und mit dem finanziellen Vorschuss im Rücken konnten wir die Recherche am Strand in Brasilien nicht einfach versanden lassen. Der angenehme Zwang, etwas liefern zu müssen, war entscheidend. 

 

 

Wie?So! mit dem Regisseur von «Die vierte Gewalt»

Martina Polek

Dieter Fahrer hat schon mehrmals bewiesen, dass er sein Publikum zum Nachdenken anregen kann. Auch bei seinem jüngsten Werk, dem Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt», macht der Berner Regisseur die Medienkrise eindrücklich erlebbar. Er illustriert sie anhand von vier Beispielen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite zwei antike Medienformate, die Zeitung «Der Bund» und die ältesten Radiosendung der Schweiz, das «Echo der Zeit». Ihnen gegenüber stehen die neuen, innovativeren Formate. Da ist «Watson», das sich durch Werbung finanziert und entsprechend auf Klicks angewiesen ist, und die «Republik», ein neues leserfinanziertes Online-Magazin. Während die Medienkrise anhand eines leergeräumten Büroraumes beim «Bund» illustriert wird, herrscht bei den Online-Medien Aufbruchstimmung.

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Im März setzte sich der Regisseur im Rahmen der JJS-Reihe «Wie?So!» höchstpersönlich mit jungen Journis in einen Kinosaal in Bern und diskutierte nach der Vorführung mit dem Journalismus-Nachwuchs über den Film. Er wollte zeigen, wie Journalisten selbst unter dem Druck von Sparmassnahmen und kommerziellen Interessen ihr Bestes geben, erzählte Fahrer. Dass dabei auch kontroverse Szenen in den Film einfliessen konnten, dafür war viel Überzeugungsarbeit nötig, erzählte der Regisseur dem Publikum. Nur dank intensiven Gesprächen mit dem Medienkonzern Tamedia konnte er beispielsweise eine Szene festhalten, in der «Bund»-Chefredakteur Patrick Feuz eine weitere Sparrunde ankündigen musste.

Dass seine persönliche Meinung in den Film einfliesse, sei durchaus gewollt – auch er mache sich Gedanken über die Zukunft der Medien, sei nicht allwissend und bringe das durch seine Kommentare entsprechend zum Ausdruck. Dass der Film eine individuelle Färbung hat, zeigt sich auch durch den Miteinbezug von Fahrers Eltern in den Film, welche mit der Zeitung als täglichem Begleiter aufgewachsen sind und gemeinsam mit der Zeitung altern. Mit seinem Film wolle er nicht die Welt verändern, antwortete er auf die Frage, was er mit dem Film erreichen möchte. Aber dass die Leute nach Ansicht des Films kritisch über die täglichen Probleme der Medien nachdenken, das schon. 

Junge Herzen, die für Satire schlagen

Martina Polek

Die Geschichte hinter dem jungen Satireformat Beta-Show Deluxe könnte tollkühner nicht sein. Bei Bier und guter Musik steckten an einem bitterkalten Januartag ein paar Studierende in einer Zürcher Kneipe die Köpfe zusammen. Wild wurde diskutiert, gekritzelt und gelacht – dabei herausgekommen ist ein Projekt mit dem Namen Beta-Show Deluxe – konkreter – ein satirisches Late-Night-Format für junge Leute. Dies ist nun ziemlich genau ein Jahr her. 

Natürlich war mit dem Namen allein noch nichts im Kasten. Es wurden neue Leute ins Boot geholt, am Projekt getüftelt und vieles ausprobiert. So nahm das Projekt allmählich Form an – und auch das Zauberwort «Innovation» blieb nicht auf der Strecke. Beta-Show Deluxe soll live stattfinden, und zwar vor Publikum auf der Tribüne sowie – und darauf ist die Beta-Crew besonders stolz – im Livestream auf Facebook. Das Leben wurde dem Projekt mit der Sendung am 21. September eingehaucht. Mit ernüchterndem Ergebnis: Pleiten, Pech und Pannen wechselten sich im Minutentakt ab. 

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Doch Aufgeben kam nicht infrage – im Gegenteil. Die mittlerweile stattliche Crew aus Studierenden der ZHAW, der Uni Zürich, der HTW und BFH sowie weiteren Interessierten aus der ganzen Schweiz sah diese Niederlage erst recht als Ansporn und gab Vollgas. Am 30. November ging das Team zum zweiten Mal auf Sendung und heilte die Beta-Show Deluxe – mit einem Krankenkassenstück – von seinen Kinderkrankheiten.

Aus dem Winterschlaf erwacht, geht das Beta-Team am 15. März mit ihrer dritten Show nun bereits zum dritten Mal auf Sendung – wieder live, wieder in real und wieder als Livestream auf Facebook. Auf dem Programm steht einmal mehr Satire vom Feinsten.

Eva Kunz

Wie wird man mit 27 Jahren Ausland-Korrespondentin?

Martina Koch

Luzia Tschirky hatte einen Traum: Sie wollte Russland-Korrespondentin werden. Ein Job, den nicht alle kriegen. Und vor allem nicht, bevor sie das 30 Lebensjahr erreicht haben. Luzia schon. 

Nächstes Jahr wird sie nach Moskau ziehen und fortan für SRF als Fernseh-Korrespondentin einordnen, was gerade in Russland geschieht. In einem Land, fünfhundertmal so gross wie Schweiz.

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Wie wird man mit 27 Jahren die jüngste Ausland-Korrespondentin, die das SRF je hatte? «Junge Journalisten Schweiz» hat Luzia Tschirky am «Wie?So!» in Zürich gefragt — und sie hat folgende Ratschläge:

  1. Fachwissen > eierlegende Wollmilchsau: Konzentrier dich auf ein Themengebiet, lese dich ein, studiere alles zum Thema, gib dich mit allem was du hast hinein. Spezialisiere dich, anstatt überall oberflächlich mitreden zu können.
     
  2. Such dir Verbündete: Luzia hat ein riesiges Netzwerk. Sie war an vielen Orten, auf vielen Redaktionen. Sie ist stets freundlich, hilfsbereit und so fällt es ihr nicht schwer, überall Verbündete zu finden. Die sind Gold wert, wenn man mal nicht weiter weiss und Rat braucht.
     
  3. Sei mutig & sei kreativ: Wachse über dich hinaus. Du weisst, was du willst? Dann zeig das den anderen und hol es dir. Für ihre Bewerbung hat Luzia sich was ganz Spezielles einfallen lassen, so viel sei hier verraten. Sie hat sich zusätzlich zur schriftlichen Bewerbung per Videobotschaft beworben. Es war mutig — denn der Schuss hätte auch nach hinten losgehen können. Ging er aber offensichtlich nicht.
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Übringes: Luzia ist weder Russin, noch Halbrussin. Tschirky ist ein Ostschweizer Name. Russisch hat Luzia erst mal lernen müssen. 

Das war #JJ17: Ein Herz für den Journalismus!

Mario Fuchs

Wie lange haben wir darauf hingearbeitet und hingefiebert: ein ganzes Jahr steckte das 22-köpfige Team von «Journalismus jetzt – Das junge Medienforum» in die Vorbereitung von #JJ17. Es hat sich gelohnt, und wie: 80 Teilnehmende, 11 Redaktionsbesuche, 10 Workshops, 2 Inputvorträge, 1 Podiumsdiskussion.

Zum 6. Mal konnten wir «Journalismus jetzt» am 10./11. November 2017 durchführen, zum 3. Mal in der Form als junges Medienforum. Dank euch – die ihr alle ein Herz für den Journalismus habt und den Mut, die Freude oder die Pflicht fühlt, das zu zeigen. Und ein grosses Merci an unsere Partner und Sponsoren! Allen voran dem Studiengang CAST/Audiovisual Media der ZHdK, die uns einmal mehr ein wunderbares Zuhause boten.

 Ein riesiges Herz für Journalismus: Daniel Ryser während seins Inputs.

Ein riesiges Herz für Journalismus: Daniel Ryser während seins Inputs.

Wir haben gehört, warum es wichtig ist, nicht aufzugeben, mit einer Recherche weiterzumachen, auch wenn es mühsam wird. Wir haben gelernt, wie man ein Datenleck auswertet. Wir haben gelernt, wie man eine Kulturkritik schreibt, selber eine Infografik baut, mit dem Smartphone allein einen professionellen Videobeitrag produziert. 

 Konzentriert bei der Arbeit: Teilnehmende in der Recherchewerkstatt von Florian Imbach (SRF Rundschau), Sylke Gruhnwald (Beobachter/Republik), Thomas Preusse (Republik).

Konzentriert bei der Arbeit: Teilnehmende in der Recherchewerkstatt von Florian Imbach (SRF Rundschau), Sylke Gruhnwald (Beobachter/Republik), Thomas Preusse (Republik).

Wir haben viel diskutiert und reflektiert. Darüber, wie weit wir gehen dürfen, um rechtlich noch auf der sicheren Seite zu stehen, wie unsere Texte besser werden, wie wir mit kreativen Methoden auf neue Ideen kommen.

Ja, auch über das liebe Geld haben wir geredet: Was ist eine faire Bezahlung für eine Praktikantin, einen Volontär? Was muss eine Ausbildung bieten? Wie weit darf, soll, muss man sich selber ausbeuten, um an sein Karriereziel zu gelangen?

 Was ist uns der Journalismus wert, wie weit dürfen und müssen Junge gehen, um sich zu behaupten? Szene der JJ17-Podiumsdiskussion.

Was ist uns der Journalismus wert, wie weit dürfen und müssen Junge gehen, um sich zu behaupten? Szene der JJ17-Podiumsdiskussion.

Wir haben damit gezeigt, dass der nächsten Generation nicht egal ist, was mit dem Journalismus in der Schweiz passiert. Wir haben gezeigt, dass wir da sind, bereit sind, lernen wollen. Und das gemeinsam tun wollen. Unser Herz schlägt für den Journalismus. 

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Alle Bilder von #JJ17:
Hier in unserer Galerie.

Zürcher Journalistenpreis und JJS lancieren Newcomer-Preis

Selina Wiederkehr

So viel Herzblut hast du in deinen Text gesteckt. Recherchiert, strukturiert, gefeilt, Fakten überprüft. Dir ist eine Top-Story gelungen. Doch kurz darauf ist das Blatt gedruckt, der Artikel auf der Webseite nach unten gerutscht, dein Text vergessen.

Wir finden, du hast mehr Anerkennung verdient. Deshalb spannen Junge Journalisten Schweiz mit dem Zürcher Journalistenpreis zusammen. Gemeinsam haben wir diesen sehr bedeutenden Preis für Schweizer Medienschaffende um eine Kategorie erweitert: den Newcomer-Preis. Mit dieser grossen Anerkennung und einem Preisgeld von 3000.- kannst du deinen Text krönen. Natürlich darfst du auch ein Werk einer Kollegin oder eines Kollegen vorschlagen. Einsendeschluss ist der 15. Januar.

Bedingungen:

  • Der/die Autor/in ist unter 30 oder weniger als fünf Jahre als Journalist/in tätig.
  • Der Beitrag ist in der Deutschschweiz erschienen oder der/die Autor/in ist hauptsächlich hier tätig.
  • Der Beitrag ist im Jahr 2017 gedruckt oder online erschienen (kein Buch).
  • Pro Bewerber/in wird höchstens ein Bericht berücksichtigt.

Hier gehts zur Anmeldung und zu weiteren Infos über die Bedingungen, die Jury, die Preisverleihung etc. 

 Rita Flubacher erhielt 2017 den Preis für das Gesamtwerk. (Bild: Selina Haberland)

Rita Flubacher erhielt 2017 den Preis für das Gesamtwerk. (Bild: Selina Haberland)

Wie man als freier Journalist überlebt

Martina Koch

«Ich bin jetzt ein halbes Jahr frei und meine Kinder sind noch nicht verhungert», sagte Matthias von Wartburg an unserem Event «Wie?So!» im Flügelrad in Olten. Das Publikum wollte wissen, wie er das schafft. Wie er genug und genug gut bezahlte Aufträge an Land zieht. «Es sind ziemlich harte Verhandlungen», so von Wartburg, «aber mit der Zeit weiss man, wer gut zahlt und wer eher nicht.» Apropos Geld: «300 Franken pro Tag müsste ich verdienen, damit es reicht». Das sind eine Handvoll Geschichten pro Monat. 

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300 Franken pro Tag brauche ich zum Überleben.

Matthias von Wartburg

Von Wartburg war früher Redaktor bei privaten Radiostationen. Nun schreibt er als freier Journalist für Beobachter, NZZ am Sonntag, Medienwoche, Bernerzeitung, und andere. Schon länger freischaffend ist Christian Zeier. Er hat sich spezialisiert auf Geschichten im Bereich der Sozialpolitik, Migration und Integration, die u.a. in «das Magazin», «die Zeit», Beobachter und der WOZ publiziert wurden. 

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«Manchmal habe ich bereits eine Rohfassung der Geschichte, bevor ich sie jemandem anbiete,» sagte Christian Zeier. Aber das stärke seine Verhandlungsposition überhaupt nicht: «Die anderen wissen, dass ich die Geschichte verkaufen will. Sie sind also am längeren Hebel.» Aber das sei halt das Risiko. Er sei freischaffend, weil er seine eigenen Geschichten umsetzen will, «wegen dem Geld mach ich das sicher nicht.» 

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Wegen dem Geld mach ich's sicher nicht. 

Christian Zeier

Offen und ehrlich waren die beiden Journalisten, offen auch für Fragen des Publikums. Das wollte zum Beispiel wissen, ob man Texte zweit verkaufen könne: «Ja. Grundsätzlich schon», antwortete Matthias von Wartburg. Aber: «Man muss es natürlich offenlegen. Und mir ist es erst ein einziges Mal gelungen.» 

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Um überhaupt Geschichten verkaufen zu können, brauche man ein gutes Kontaktnetz. «Kaffeetrinken, brunchen und zusammen Abendessen gehört quasi zum Job», erklärt Zeier. Wie viel das zeitlich ausmache, sei schwierig zu sagen. «Aber es ist schon wichtig.»  

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Besuch in der Hauptstadt Europas: JJS in Brüssel

Martina Polek

Im September ist eine Gruppe junger Journalisten eine Woche lang in Brüssel unterwegs gewesen. Sie, und eine grosse Gruppe EU-interessierter, welche dem Angebot der Organisation Young European Swiss (YES) gefolgt sind. Alle haben eine intensive und spannende Woche erlebt – und die EU und ihre Institutionen von ganz nah kennengelernt. 

 Vor dem EU-Parlamentsgebäude

Vor dem EU-Parlamentsgebäude

Natürlich machten die Jungen Journalisten einen Abstecher ins Pressezentrum der Kommission, dem grössten Europas. Während des täglichen «Press Briefings», übersetzt in alle offiziellen Amtssprachen, wurde deutlich, wie viel Aufwand hinter einer aktiven und direkten Kommunikation in einem so grossen Gebilde steckt. Im Gespräch mit Journalisten (Highlight: SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck) vor Ort wurde aber auch klar, wie oft Informationen über informelle Kanäle fliessen und wie wichtig deshalb der direkte Kontakt ist. Und ja, Lobbyisten haben nicht selten ziemlich viel Macht.

 Hier tagen die EU-Kommissionsmitglieder - und für einmal wir

Hier tagen die EU-Kommissionsmitglieder - und für einmal wir

Hast auch Du Lust bekommen, nächstes Jahr mit uns nach Brüssel zu fahren? Du zögerst noch?Ok, kurz und bündig, warum Du im Herbst 2018 unbedingt mit solltest an die Challenge Europe:

Was wir Lehrreiches erfahren haben:

  • es gibt unglaublich verschiedene Arten, sich für Politik zu interessieren oder zu engagieren
  • aus Schweizer Sicht wirkt die EU ganz anders als wenn man sie von innen betrachten kann
  • was der Brexit konkret bedeutet 

Was wir Spassiges erlebt haben:

  • viel gutes Essen (äthiopisch, typisch belgisch, Burger, ...)
  • die Abende, an denen man mit bisher fremden, aber bald sehr vertrauten Menschen in einer fremden Stadt verbringt. Immer aufregend!
  • belgisches Bier 
  • die Gespräche
 Brüssel bedeutet aber auch: viele Kneipen, viel Bier, tolle Gespräche

Brüssel bedeutet aber auch: viele Kneipen, viel Bier, tolle Gespräche

Geheimdienst-Geheimnisse lüften – so geht's  

Martina Polek

Ende April 2017 wird der mutmassliche Spion M. in Frankfurt verhaftet. Kurz darauf tischt der Tages-Anzeiger und Bund die Vorgeschichte des Geheimdienst-Krimis brühwarm auf: «Operation Eiswürfel»: Protokoll einer missratenen Spionageaktion. An der letzten Wie?So! Veranstaltung von JJS hat sich der Co-Autor und Leiter des Rechercheteams Thomas Knellwolf in die Karten blicken lassen. Und wertvolle Tipps gegeben.  

Vieles hat Thomas Knellwolf aus der Verfahrensakte erfahren. Doch wie ist er an diese Akte herangekommen? Seine Quelle darf er nicht verraten. Nur so viel meint er dazu: Meist habe eine Seite, die in einen Prozess verwickelt ist, Interesse daran, seine Sicht publik zu machen. Und dafür seien die Beteiligten meist sogar bereit, die Prozessakten weiterzugeben. Hilfe hat das Schweizer Rechercheteam übrigens auch von den Kollegen der Süddeutschen-Zeitung erhalten. Diese konnten sie mit Informationen und Kontakten zu den deutschen Behörden versorgen. 

Das nehmen wir von diesem Abend für unsere Journi-Karrieren mit:

Langer Atem: Alle grossen Politiker*innen haben mal klein angefangen. Deshalb bei Jungparteien nach vielversprechenden Talenten Ausschau halten. Den ersten Journi, der Interesse gezeigt hat, vergisst niemand so schnell wieder. Starte heute dein Netzwerk-Aufbau und lass es mit dir mitwachsen.

Keine Scheu vor grossen Fischen: Auch bekannte Namen ruhig mal anschreiben und zu einem Kaffee treffen. Meistens klappt es. Manchmal halt nicht.

Kontaktpflege ist die halbe Miete: Ein bis zwei Mal pro Woche ist ein «Was gibt es Neues bei ihnen»-Telefon/Treffen angesagt. Für die nötige Disziplin sorgen Kontaktlisten. 

Fachgebiet zulegen: Spezialisieren lohnt sich, um bei einer Recherche nicht immer bei Adam und Eva anfangen zu müssen.

Ordnung muss sein: Längere Recherchen immer dokumentieren, egal ob mit Evernote, Excel oder dem guten alten Mäppli-Ablage-System.

Mit offenen Karten: Akteure vor Erscheinen des Artikels/Beitrags auf den Inhalt vorbereiten und nach der Publikation Betroffene anrufen - auch wenn's unangenehm sein kann.

«Die ersten 90 Minuten sind die schwersten.»

Martina Koch

Zugegeben, den Pokal haben wir nicht geholt am «Impressum Cup» in Marly. Aber wir haben irgendwie doch gewonnen: Kein Team war so bunt wie unseres. Einerseits, weil wir uns nicht auf eine T-Shirt-Farbe einigen konnten.

Andererseits, weil wir Spielerinnen und Spieler aus über acht Redaktionen aus der ganzen Deutschschweiz zusammengetrommelt haben (Bundeshausradio, BernerZeitung/Bund, tink, RadioFr, EnergyBern, Energy- Zürich, Rote Anneliese, SRF). 

Impressum hat geschrieben: «Um die 180 Spielerinnen und Spieler aus allen Himmelsrichtungen der Schweiz und aus verschiedenen Bereichen der Medien (Presse, Radio, TV) haben zum erfolgreichen und fairen Durchführen beigetragen.»

Da wir die journalistische Zukunft am Turnier verkörperten, haben wir - frech wie wir sind - auch noch zwei Online-Journalisten reingeschmuggelt. ;-) 

Zusätzlich erlaubt waren maximal zwei Personen pro Team, die nicht im Journalismus arbeiten. Haben wir natürlich voll ausgenutzt! Auf unsere Topscorerin Elen war so manches Team neidisch. 

Wir haben gekämpft. Es war nicht immer einfach, zugegeben. Wir haben Opfer gebracht.
Also - vor allem Felix. 

Gute Besserung an dieser Stelle an Felix. Er lässt sich jetzt (hoffentlich) zuhause verwöhnen. 

Eben, den Pokal haben wir nicht geholt. Ist ja auch klar - bei solchen Gegnern wie ihm hier. :-)

(Und ja, verdammt, der Kerl hat uns ein Tor geschossen.) Trotzdem waren wir unschlagbar: So gut wie wir war niemand in der dritten Halbzeit. :-) 

Fotos von impressum, Bärni Aebersold, Felix Unholz und Martina Koch.