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Blog

Geheimdienst-Geheimnisse lüften – so geht's  

Martina Polek

Ende April 2017 wird der mutmassliche Spion M. in Frankfurt verhaftet. Kurz darauf tischt der Tages-Anzeiger und Bund die Vorgeschichte des Geheimdienst-Krimis brühwarm auf: «Operation Eiswürfel»: Protokoll einer missratenen Spionageaktion. An der letzten Wie?So! Veranstaltung von JJS hat sich der Co-Autor und Leiter des Rechercheteams Thomas Knellwolf in die Karten blicken lassen. Und wertvolle Tipps gegeben.  

Vieles hat Thomas Knellwolf aus der Verfahrensakte erfahren. Doch wie ist er an diese Akte herangekommen? Seine Quelle darf er nicht verraten. Nur so viel meint er dazu: Meist habe eine Seite, die in einen Prozess verwickelt ist, Interesse daran, seine Sicht publik zu machen. Und dafür seien die Beteiligten meist sogar bereit, die Prozessakten weiterzugeben. Hilfe hat das Schweizer Rechercheteam übrigens auch von den Kollegen der Süddeutschen-Zeitung erhalten. Diese konnten sie mit Informationen und Kontakten zu den deutschen Behörden versorgen. 

Das nehmen wir von diesem Abend für unsere Journi-Karrieren mit:

Langer Atem: Alle grossen Politiker*innen haben mal klein angefangen. Deshalb bei Jungparteien nach vielversprechenden Talenten Ausschau halten. Den ersten Journi, der Interesse gezeigt hat, vergisst niemand so schnell wieder. Starte heute dein Netzwerk-Aufbau und lass es mit dir mitwachsen.

Keine Scheu vor grossen Fischen: Auch bekannte Namen ruhig mal anschreiben und zu einem Kaffee treffen. Meistens klappt es. Manchmal halt nicht.

Kontaktpflege ist die halbe Miete: Ein bis zwei Mal pro Woche ist ein «Was gibt es Neues bei ihnen»-Telefon/Treffen angesagt. Für die nötige Disziplin sorgen Kontaktlisten. 

Fachgebiet zulegen: Spezialisieren lohnt sich, um bei einer Recherche nicht immer bei Adam und Eva anfangen zu müssen.

Ordnung muss sein: Längere Recherchen immer dokumentieren, egal ob mit Evernote, Excel oder dem guten alten Mäppli-Ablage-System.

Mit offenen Karten: Akteure vor Erscheinen des Artikels/Beitrags auf den Inhalt vorbereiten und nach der Publikation Betroffene anrufen - auch wenn's unangenehm sein kann.

«Die ersten 90 Minuten sind die schwersten.»

Martina Koch

Zugegeben, den Pokal haben wir nicht geholt am «Impressum Cup» in Marly. Aber wir haben irgendwie doch gewonnen: Kein Team war so bunt wie unseres. Einerseits, weil wir uns nicht auf eine T-Shirt-Farbe einigen konnten.

Andererseits, weil wir Spielerinnen und Spieler aus über acht Redaktionen aus der ganzen Deutschschweiz zusammengetrommelt haben (Bundeshausradio, BernerZeitung/Bund, tink, RadioFr, EnergyBern, Energy- Zürich, Rote Anneliese, SRF). 

Impressum hat geschrieben: «Um die 180 Spielerinnen und Spieler aus allen Himmelsrichtungen der Schweiz und aus verschiedenen Bereichen der Medien (Presse, Radio, TV) haben zum erfolgreichen und fairen Durchführen beigetragen.»

Da wir die journalistische Zukunft am Turnier verkörperten, haben wir - frech wie wir sind - auch noch zwei Online-Journalisten reingeschmuggelt. ;-) 

Zusätzlich erlaubt waren maximal zwei Personen pro Team, die nicht im Journalismus arbeiten. Haben wir natürlich voll ausgenutzt! Auf unsere Topscorerin Elen war so manches Team neidisch. 

Wir haben gekämpft. Es war nicht immer einfach, zugegeben. Wir haben Opfer gebracht.
Also - vor allem Felix. 

Gute Besserung an dieser Stelle an Felix. Er lässt sich jetzt (hoffentlich) zuhause verwöhnen. 

Eben, den Pokal haben wir nicht geholt. Ist ja auch klar - bei solchen Gegnern wie ihm hier. :-)

(Und ja, verdammt, der Kerl hat uns ein Tor geschossen.) Trotzdem waren wir unschlagbar: So gut wie wir war niemand in der dritten Halbzeit. :-) 

Fotos von impressum, Bärni Aebersold, Felix Unholz und Martina Koch. 

Liebe, Linguistik, Lobo: Was mir von der Re:publica 2017 geblieben ist

Manuela Paganini

Die deutschsprachige Medienszene versammelte sich im Mai zum 11. re:publicanischen Massenknuddeln. Mittendrin: eine Delegation von JJS. Ein Rückblick.

Von Daniel Faulhhaber

Re:publica re:invited – und JJS liess sich nicht lange bitten. Zum dritten Mal war eine Delegation von Junge Journalisten Schweiz an Europas wichtigster Medienmesse vertreten. «Love out Loud» lautete das Motto 2017, das sich als Corporate Design in pulsierenden Herzen und auf Demonstrations-Bannern niederschlug. Dem Hass etwas entgegensetzen. Laut sein. Die virtuellen Strassen nicht dem Mob überlassen. Das war die Botschaft.

Und Liebe geht immer

Also wurde gekuschelt, was die Server hergaben. Und wie immer, wenn Journalistinnen an Journalistenkonferenzen über Journalisten twittern, glichen die sozialen Netzwerke im nu einem digitalen Liebesnest. Und dazu gab es ja auch allen Grund: Carolin Emcke unternahm kurz nach dem Startschuss ihre schillernde «assoziativ-analytische Befragung von Love out Loud». Hängengebliebene Leitfrage: Geht dieses Motto überhaupt mit einem Imperativ zusammen?
 
«Lieb! Klingt schon seltsam»
 
Den Rest dieses rhetorischen Feuerwerks, das übrigens mehr Zuversicht als Skepsis versprühte, lässt sich wie die meisten Panels online nachsehen. Und hier passt der Imperativ dann wieder hin. Emckes Rede an der Re:publica 2017: Anschauen!
 
Dann kam der Interntet-Journalist Sascha Lobo und auch der hatte spitze Pfeile im Köcher. Er feuerte mit aufgezogenen Stimmbändern Lobo-Neologismen ins proppenvolle Auditorium («viele Nazis sind nur Temporärarschlöcher») – und gab dann wie hundert andere Journalisten vor ihm das x-te Sequel folgender Story zum Besten: Linker (oder zumindest liberaler) Journalist geht auf eine Afd-Demo und kann – Überraschung – nicht mit den Leuten reden. Er wird beschimpft, gar mit Bier übergossen. Das erschien auch in diesem Fall etwas wohlfeil. Ja, mit knallrotem Punkerschopf und signalorangenen ZDF-Mikrofonköpfen lässt sich das Wespennest ordentlich aufmischen. Aber dass die lustvolle Zurschaustellung des wütenden Mobs keinen journalistischen oder gesellschaftlichen Mehrwert bringt, wissen wir ja spätestens seit Trump im Weissen Haus sitzt.


 
In Sachen Social-Media-Trends gibt es gute Nachrichten für alle, die auf das möglicht baldige Verschwinden von Snapchat gehofft haben: Der Hype ist 2017 tatsächlich etwas abgeebbt. Als Ersatzreligion für digitale Futuristen versucht sich dafür noch immer die 3D-Brille zu etablieren. Klappt so halbgut – aber am besten da, wo sie den Raum zum eigentlichen Protagonisten macht. Zum Beispiel beim englischen Projekt «Notes on Blindness»: Da lässt die Brille einen die Erlebniswelt eines Blinden anhand von Geräuschen und projizierten Bildfetzen erahnen. Paradox: Gerade weil die Brille das visuelle Spektakel auf ein Minimum herunterdimmt, übt dieses eine besondere Anziehung aus.

Ein Plädoyer für mehr Unfertiges

Richtig gut war die Aktivistin und Journalistin Kübra Gümüşay, mit ihrer grundsätzlichen Forderung, das Netz wieder zur Spielwiese zu machen, das es einst war. Es fehlt der Platz für Unfertiges und Gümüşay will mehr (Denk-)Prozesse statt Produkte. Die Neurolinguistin Elisabeth Wehling sprach über die Macht von Sprachbildern, Framing genannt. Hört. Auf. Von. «Flüchtlingswelle». Zu. Schreiben! Denn damit wird ein ganzes Bündel semantischer Trigger übermittelt, die die Gefahr implizieren: Schwemme, Ertrinken, Bedrohung, Tsunami. Surfen? «Wörter sind semantische Wundertüten», sagt Wehling. Ein Schöner Satz. Gleich mal vertwittern.
 
Resümee: Jede Konferenz ist das, was man aus ihr macht. Meine Republica 2017 bot mehr #Information als #Inspiration, mehr #Bestandesaufnahme als #BlickindieZukunft. Schön wars trotzdem, auch dank einer tollen JJS-Crew. Das Urteil: 7 von 10 Punkten.

Ausschreibung Challenge Europe 2017

Matthias Strasser

Brüssel ist Dreh- und Angelpunkt der Europapolitik; die EU-Institutionen haben dort ihren Hauptsitz. Neben Politikern, Lobbyisten, NGOs versammelt sich hier auch die internationale Mediengesellschaft. Die Stadt ist quasi der grösste Presseraum Europas. Und mit uns bist Du eine Woche lang mittendrin.

Triff in Brüssel Schweizer Auslandskorrespondenten und Journalisten und tauche ein in die Arbeit der über tausend akkreditierenden Journalisten. Nicht zu unterschätzen sind auch das Brüsseler Nachtleben und die berüchtigten Pommes Frites – die besten der Welt sollen sie sein.

Das europäische Abenteuer ermöglicht dir Junge Journalisten Schweiz: Wir reisen vom 3. bis zum 10. September 2017 mit einer kleinen Gruppe nach Brüssel und erkunden die Stadt, die Medien und die europäischen Institutionen. Und das ist noch nicht alles: Du hast die Gelegenheit, bei Vorbereitungstreffen in Bern mit schweizerischen und europäischen Politikern, Lobbyisten und NGO-Vertretern zu sprechen und mehr über die EU und ihre Beziehungen zur Schweiz zu lernen.

Hier alles, was Du dazu wissen und machen musst, wenn Du mitkommen willst:

  • Die Reise kostet (Anreise, Übernachtung und Verpflegung inklusive) 390 Franken. Wir organisieren sie in Zusammenarbeit mit Young European Swiss (YES).
  • Damit du mitkommen kannst, musst du JJS-Mitglied sein. Wenn du dich bei uns für die Reise anmeldest, wirst du automatisch für ein Jahr JJS-Mitglied. Den Mitgliederbeitrag schenken wir dir. Im Gegenzug musst du zusätzlich folgendes Formular ausfüllen und im Feld Nachricht "Challenge Europe 2017" eintragen: Mitglied werden.
  • Wenn du bereits JJS-Mitglied bist, kriegst du 30 Franken Rabatt.
  • Wenn du Fragen dazu hast, schreib uns eine Mail an bruessel@jungejournalisten.ch.
  • Anmeldeschluss ist der 30. Juni
  • Für die Anmeldung bitten wir dich, die unten stehenden Fragen zu beantworten und abzuschicken.
  • Falls du kein Bestätigungsmail erhältst, dann schreib eine Mail an info@jungejournalisten.ch.
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Wenn du noch nicht JJS-Mitglied bist, musst Du ein zweites Formular ausfüllen. Siehe "Was du wissen musst".

JJS in Perugia

Karin Wenger

Die hübsche Altstadt von Perugia wird jeweils im April zum Hotspot für Journalisten aus aller Welt. Wichtige Chefredakteure und kühne Start-Up-Gründer erzählen, worauf sie ihre Hoffnung setzen und worüber sie sich den Kopf zerbrechen. Zum zweiten Mal ist JJS mit einer Truppe nach Italien ans International Journalism Festival gereist. Gelebt haben wir wie Könige in einer Villa mit Dachterrasse, wir liessen uns inspirieren von Inputreferaten, lebhaften Diskussionen und gutem Wein. Weil es so schön war: hier ein Fotoblog.

Noch vor dem Einzug in die Villa: ein Aperitivo. Das erste von vielen.

Noch vor dem Einzug in die Villa: ein Aperitivo. Das erste von vielen.

Die Aussicht von der Dachterrasse.

Die Aussicht von der Dachterrasse.

Und wir alle: «Verbringen wir die fünf Tage einfach hier oben?»

Und wir alle: «Verbringen wir die fünf Tage einfach hier oben?»

Anstehen für Adam Mosseri, Facebooks Vize-Präsident für den Newsfeed.

Anstehen für Adam Mosseri, Facebooks Vize-Präsident für den Newsfeed.

Wer's verpasst hat: Auf dem IJF Youtube-Channel kannst du alle Panels nachschauen.

Wer's verpasst hat: Auf dem IJF Youtube-Channel kannst du alle Panels nachschauen.

Zwischen den Veranstaltungen immer wieder: dolce far niente.

Zwischen den Veranstaltungen immer wieder: dolce far niente.

Unser, äh, Gruppenfoto?

Unser, äh, Gruppenfoto?

Voilà, Versuch Nummer 2. Die JJS-Perugia-Crew.

Voilà, Versuch Nummer 2. Die JJS-Perugia-Crew.

Fotos von Janosch Tröhler und Céline Graf.

P.S. Falls du das nächste Mal dabei sein möchtest, reserviere dir die Tage 11. bis 15. April 2018.

 

Die Sonko-Recherche: Wie man einen mutmasslichen Folterkommandanten hinter Gitter bringt

Manuela Paganini

Im Januar machte Franziska Ramser von der Rundschau publik, dass der ehemalige gambische Innenminister Ousman Sonko als Asylsuchender in der Schweiz wohnt. Und dass ihm von verschiedenen Seiten schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Am nächsten Morgen wurde er verhaftet.

Knapp zwei Wochen lagen zwischen dem ersten Hinweis und dem ausgestrahlten Beitrag. An der Wie?So! Veranstaltung von JJS in Zürich erzählte Franziska Ramser, wie sie bei der Recherche vorgegangen ist. Und worauf Junge Journalisten achten sollten, wenn sie selbst so eine Geschichte an Land ziehen.

0. Verschlüsselte Kommunikation einrichten. Wenn sichere Kommunikationsmittel nötig werden, erreicht die Geschichte mit grosser Wahrscheinlichkeit Dimensionen, welche einem nicht mehr Zeit und Energie lassen, sich auf das Konfigurieren von Mailprogrammen zu konzentrieren. Franziska Ramser spricht aus Erfahrung.
Für verschlüsselte SMS-Dienste empfiehlt Ramser die App Threema, E-Mails werden  mit PGP verschlüsselt. Für die Installation für Mac gibt es hier einen Leitfaden, für Windows hier.

1. Einen Tipp erhalten. Es lohnt sich, Kontakte in den eigenen Spezialgebieten aufrechtzuerhalten. Und sie ab und zu anzurufen und sich erkundigen wie es geht, ob es etwas Neues gibt. Natürlich gehört auch Glück dazu: Den Tipp zu Ousman Sonko erhielt Ramser von einer Person, die direkt auf sie zukam.

2. Quelle und Primeur schützen. Bei so heikeln Recherchen die Quelle wenn immer möglich persönlich treffen, statt per Mail/SMS kommunizieren. Den Namen der Quelle nicht verwenden, auch nicht in den eigenen Notizen. Innerhalb der Redaktion blieb die Geschichte um Sonko lange geheim, nur Ramser und ihr Chef wussten davon. Erst in den letzten Tagen, als Ramser die Unterstüzung des Teams für den Dreh brauchte, weihte sie ihre Kollegen ein. Externen Partnern sagte Ramser nur, es gebe Hinweise, dass Sonko in Europa sein könnte.

 

Franziska Ramser

3. Verifizieren und Recherchieren in unbekanntem Terrain. Die Funktion und Vorgeschichte von Ousman Sonko konnte Ramser dank gambischen Online-Zeitungen überprüfen. Was sie dann brauchte, waren Personen, welche die Vorwürfe gegen ihn bestätigten. Im Fall von Gambia war dabei Facebook ein zentrales Werkzeug. Selbst Diplomaten waren so am einfachsten erreichbar. Um an die richtigen Personen zu kommen, fragte sie sich durch und nutzte einzelne Kontakte als Katalysatoren: Etwa frage sie einen Online-Blogger, ob er ihr weitere Ansprechpersonen nennen könnte, welche gegen Sonko aussagen würden. So fand sie den Menschenrechtsanwalt und die Folteropfer im Beitrag. Das Netzwerk von Kontakten war auch hilfreich, um die Glaubwürdigkeit von Informanten zu überprüfen.

4. Einschätzen des Schweizer Aspekts. Haben die Schweizer Behörden richtig gehandelt? Dafür nahm Ramser mit dem Rechtsexperten Stefan Trechsel Kontakt auf, welcher später auch als Studiogast diesen Teil der Geschichte einordnete.

5. Externe Partner nutzen. Der Beitrag beginnt mit Szenen aus Gambia. Der Afrika-Korrespondent des SRF selbst war nicht verfügbar. Aber er konnte Ramser an einen deutschen Kollegen weiterverweisen, welcher die Aufnahmen dann übernahm. Für eine externe Einschätzung wandte sich Ramser an die Organisation Trial international, Amnesty International half mit, Kontakte zu finden.

6. Konfrontieren der Verantwortlichen. Erst kurz vor dem Sendetermin kontaktierte Ramser die Berner Kantonspolizei. Das Staatsekretariat für Migration und die Staatsanwaltschaft sogar erst am Tag der Sendung.

Während zwei Tagen versuchten zwei Kollegen vom Rundschauteam, Sonko vor dem Asylzentrum abzupassen. Vergeblich. Immerhin konnten Ramsers Kollegen daraufhin ins Asylzentrum an den Empfang und filmen, wie sie nach ihm fragten. Die Erlaubnis dafür gab der Berner Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser.

7. Schlussspurt. Drehen, Schneiden, Studiogespräch, Onlinetext – fertig. Aber: Nach der Geschichte ist vor der Geschichte. Aspekte, welche nicht im realisierten Beitrag Platz haben können Stoff für den nächsten sein.

Manuela Paganini

 

 

Einen Tag mit dem CEO – zwei Jungjournalisten in der Sendung ECO

Martina Polek

Die JJS-Mitglieder Noah Zygmont und Pascal Scheiber sind keine 19 Jahre alt und haben bereits zwei Beiträge für das Wirtschaftsmagazin ECO von SRF produziert. Hier berichten sie über ihr aktuelles Projekt und erklären, wie die Zusammenarbeit mit den Sendemachern zustande gekommen ist.

Wir wollen den Zuschauern eine jugendliche Perspektive bieten und zeigen, wie Konzernchefs wirklich ticken. Die Idee hat die ECO-Redaktion überzeugt. Und so begleiteten wir schon zum zweiten Mal eine hohe Wirtschaftspersönlichkeit durch ihren Arbeitstag.

Die erste Folge von «Einen Tag mit dem CEO» ging im Juni 2016 über den Sender. Darin begleiteten wir den Swiss-CEO Thomas Klühr.

Noah (links) und Pascal (rechts) mit Thomas Klühr. Quelle: N. Zygmont.  

Noah (links) und Pascal (rechts) mit Thomas Klühr. Quelle: N. Zygmont.  

Vor ein paar Wochen liess uns ECO erneut auf eine Wirtschaftspersönlichkeit los. Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbands, nahm uns während einem Tag mit. Zuerst an eine Medienkonferenz in Zürich, gefolgt von einem Radiointerview, danach ging's ab nach Winterthur zu Burckhardt Compression und schlussendlich wieder zurück nach Zürich an den letzten Termin. Bewundernswert und sehr inspirierend so ein Leben als hohe Wirtschaftspersönlichkeit, fanden wir. 

So kam die Zusammenarbeit mit ECO zustande

Vor knapp zwei Jahren suchte ECO für sein Web-Projekt «Mint» – welches mit dem Medienpreis für Finanzjournalismus 2015 ausgezeichnet wurde – zwei Jungjournalisten. Mit einem kleinen Video inkl. Interview mit einer Person aus der Wirtschaft, haben wir uns beworben. Und siehe da: Wir haben gewonnen! Nebst einem kleinen Preisgeld erhielten wir die Chance, zwei hohe Wirtschaftspersönlichkeiten am Swiss Economic Forum 2015 in Interlaken vor laufender Fernsehkamera zu interviewen. Pascal wagte sich an den Roche-Chef Severin Schwan, während sich Noah an Urs Schäppi, CEO der Swisscom, herantastete.

Für uns war dieser Anlass der erste Auftrag für das SRF. Etwas flau im Magen war uns deshalb schon. Doch ein kurzes Briefing mit Moderator Reto Lipp, einige Absprachen mit der Redaktion und schwups – schon fuhren wir mit dem Zug nach Interlaken. Für Nervosität blieb keine Zeit. Zuerst Maske, dann Interviewtermin und schlussendlich das Livegespräch mit Severin Schwan bzw. Urs Schäppi.

Übrigens: Ein neues Web-Video-Projekt ist in Planung. Falls Du Interesse hast, melde Dich doch einmal bei uns.

Cheers

Pascal & Noah

Wir öffnen dir die Tür zur Medienwelt!

Janine Teissl

Zuerst die unangenehme Nachricht: In den nächsten Wochen kriegst du von uns Post mit der Rechnung für den diesjährigen Mitgliederbeitrag. Teile uns bitte möglichst bald per Mail mit, falls du kürzlich umgezogen bist.

Für deine Unterstützung danken wir dir herzlich! Und diese Angebote gibts dafür:

Du bist gerade Journalistin oder Journalist geworden oder du befindest dich auf dem besten Weg dazu. Ob du wirklich gut schreibst, schneidest, filmst – ganz sicher bist du dir da noch nicht. Im Büro finden deine Arbeit alle «Ok» - aber so richtig kann dir niemand sagen wieso. Wir haben da was für dich: eine Tasse Kaffee mit eineR etablierten JournalistIn.

Auch wenn du bereits mit einem Fuss (oder beiden Füssen) im Business angelangt bist, sind wir für dich da. Denn wir wissen: Deine Story wird toll. Nur weiss das vielleicht dein Auftraggeber noch nicht und zögert, dich auf eine längere Recherche im In- oder Ausland zu schicken. Hier kommen wir ins Spiel mit unserem Recherchefonds - wir helfen dir, deine Reportage zu verwirklichen.

Aller guten Dinge sind drei: Wir öffnen dir auch wortwörtlich die Türen – mit dem Jugendmedienausweis. Dank unserer Kooperation mit dem Journalistenverband impressum geniesst unser Ausweis höchste Glaubwürdigkeit. Wir erinnern dich daran, dass du als Aktivmitglied kostenlos den Jugendmedienausweis beantragen kannst. Damit wir auch dir den Ausweis ausstellen können, benötigen wir von dir drei redaktionelle Beiträge aus dem letzten halben Jahr, die den Richtlinien entsprechen sowie ein aktuelles Foto von dir. Falls du dich also in der letzten Zeit gefragt hast, wo die diesjährige Press Card bleibt: dein Antrag und die Belege deiner Beiträge haben gefehlt. Sobald wir alles haben drucken wir den Ausweis und er landet innerhalb von ein paar Tagen in deinem Briefkasten.

Das war Wie?So! mit Charlotte Theile

Dominik Meienberg

Charlotte Theile / Bild: Martina Koch

Charlotte Theile / Bild: Martina Koch

„Es braucht mehr Stühle“, sagt Charlotte und es stimmt. Das Erkerzimmer im Karl der Grosse füllt sich allmählich. Die Menschen kommen, um Charlotte Theile zu hören - die junge Journalistin, die für die Süddeutsche Zeitung über die Schweiz schreibt. Wir sprechen über einen Artikel zum Thema Verdingkinder. Theile erzählt im Text die Geschichte von Anna Schnegg (Name geändert). Bevor wir darüber sprechen, liest Charlotte den Artikel vor.

„Jetzt bist du halt bei uns. Dieser Satz wird zur Überschrift ihrer Kindheit.“

„Sie wusste auch, dass nicht in Ordnung war, was ihr Pflegebruder von ihr wollte, wenn er nachts durch ihr Fenster stieg oder beide allein im Stall waren.“

„Die Ziegen im Stall, die sie liebte wie sonst nichts auf der Welt. Der Tag, an dem sie die Tiere zum Schlachter bringen musste.“

Bild: Martina Koch

Im Gespräch gehen wir darauf ein, wie traumatisierte Personen interviewt werden können. Charlotte Theile empfiehlt, auf jegliches Druckmachen zu verzichten. Der Interviewte gebe das Tempo vor, bestimme wann es eine Pause braucht und auch, wie viel sie oder er erzählen will. Im Gespräch Pausen aushalten sei ebenso wichtig wie die bewusste Ablenkung, wenn es zu viel wird. Dann solle man lieber einen Tee trinken oder über die Katze sprechen. Distanz schaffen.

Charlotte Theile erzählt, begründet, beantwortet Fragen aus dem Publikum, dass es nur so eine Freude ist. Sie beantwortet zum Beispiel die Frage, wie es nach einem solchen Artikel weitergeht. „Man muss klar machen, dass es eine professionelle Beziehung ist und keine Freundschaft“, sagt Theile. „Indem man nicht auf jede Whatsapp Nachricht antwortet und die Facebook-Freundschaftsanfrage nicht annimmt.

Charlotte Theile und Dominik Meienberg / Bild: Martina Koch

Charlotte Theile und Dominik Meienberg / Bild: Martina Koch

Ein toller Abend geht später ein Stockwerk weiter oben bei Wein, Bier, Wurst und Käse zu Ende. Es bleibt der Dank an Charlotte Theile sowie an alle, die gekommen sind. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe von Wie?So!

Informationen zum nächsten Wie?So! gibt es bald auf unseren Kanälen (Website, Facebook, Twitter).

Dominik Meienberg

Bild: Martina Koch

Das erhältst du in einem Praktikum bei...

Karin Wenger

Wie viel bezahlen Schweizer Redaktionen für ein Praktikum, wie lange ist die Mindest- und Maximaldauer? Wir sorgen mit einer Übersicht mit Angaben zu mehr als 80 Publikationen für Transparenz. Ein Bericht über den Entstehungsprozess. Und eine Einordnung der Ergebnisse, denn in diesen stecken mehr als die reinen Zahlen.

Unsere Übersicht soll nicht zur Rangliste werden für besonders faire oder skandalöse Praktikumsbedingungen. Was wir wollen: Transparenz. Junge Journalisten sollen wissen, was sie von einer Praktikumstelle erwarten und einfordern können.

Trotzdem ist es nicht okay, wenn die Basler Zeitung nur 600 Franken für einen Monat Praktikum bezahlt. Auch 500 Franken Lohn bei Radio Pilatus oder 700 Franken bei Radio FM1 sind keine fairen Bedingungen. Ein Praktikum sollte für alle zugänglich sein und nicht davon abhängen, ob die Berufseinsteiger noch zuhause wohnen oder von Eltern und Grosi unterstützt werden

Begeisterte Jungjournalisten mögen es in Kauf nehmen, während eines mehrmonatigen Praktikums vom Ersparten zu leben und auf Luxus zu verzichten. Doch selbst Spaghetti mit Tomatensauce von M-Budget sind nicht gratis. Und welcher Student oder Lehrabsolvent hat ein dickes Bankkonto?

Uns ist bewusst: Der Lohn wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dauer und Ort des Praktikums, die Vorbildung oder Zusatzleistungen wie das Besuchen von bezahlten Ausbildungskursen sind relevant. Die reinen Zahlen greifen aber nicht nur deshalb zu kurz.

Nebst Geld ist nämlich die Art und Weise der Betreuung zentral. Junge Journalisten wollen in einem Praktikum Neues lernen, besser werden. Learning by doing mag ganz zu Beginn beim Berufseinstieg noch funktionieren, doch ohne konstruktives Feedback ist der Stillstand bald erreicht. Es ist essenziell, dass ein erfahrener Journalist Zeit hat zu helfen, Fragen zu beantworten und Rückmeldungen zu geben. Hierfür bleibe im Alltagsstress auf der Redaktion wenig Zeit, haben wir oft von unseren Mitgliedern gehört.

Das Kapital des Qualitätsjournalismus von morgen sind gut ausgebildete Jungjournalisten. Anbieter von Praktika sind dafür nicht alleine verantwortlich, doch sie stehen in der Pflicht, ihren Schützlingen einen Journalisten an die Seite zu stellen, der Ressourcen für eine gute Betreuung zur Verfügung hat. Redaktionen, die Praktikanten als billige Arbeitskräfte sehen, schaden der Branche.

Wie ist unsere Übersicht entstanden? 

Wir haben den Redaktionen per E-Mail einen Fragebogen geschickt. Einige Publikationen haben unvollständig, beispielsweise ohne Angabe des Lohns geantwortet. In diesen Fällen fragten wir im JJS-Mitgliedernetzwerk nach, ergänzten die fehlenden Angaben wenn möglich und kennzeichneten sie als inoffiziell. Rund 20 Redaktionen reagierten trotz Nachfrage nicht. Was uns freut: Sehr viele, die geantwortet haben, füllten den gesamten Fragebogen aus. Was uns ärgert: Die Kommunikationsabteilung von Ringier liess das Lohnfeld leer, vom Tages-Anzeiger und der SonntagsZeitung kam überhaupt keine Antwort*. Die Grossen scheinen kein Interesse an Transparenz zu haben.

Was uns noch mehr ärgert: Nach dem Aufruf im Mitgliedernetzwerk für Angaben aus absolvierten Praktika erreichten uns auch mehrere Nachrichten wie "nach meinem Praktikum habe ich herausgefunden, dass mein Vorgänger mit ähnlicher Ausbildung und Erfahrung 1000 Franken mehr verdiente" oder "nach den ersten sechs Monaten ist die Bezahlung Verhandlungssache, ich erhielt dann 500 Franken weniger als meine Kollegin".

Höchste Zeit, dass wir unsere Übersicht veröffentlichen.

Karin Wenger

* Update: Ringier meldete sich kurz nach der Publikation der Praktikumsübersicht bei uns und lieferte die fehlenden Angaben nach. Auch der Tages-Anzeiger und die SonntagsZeitung haben uns mittlerweile geantwortet.