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Praktikum in Tel Aviv: Eine Anleitung

Blog

Praktikum in Tel Aviv: Eine Anleitung

Manuela Paganini

 

Redaktionelle Praktika sind der Einstieg in den Journalismus. Möglichkeiten dazu bieten sich nicht nur in der Schweiz. Denn deutschsprachige Redaktionen gibt es auf der ganzen Welt.

Arbeitsort Tel Aviv: Die Stadt ist eine von vielen, in denen es eine deutschsprachige Zeitschrift gibt. Bild: Manuela Paganini

Arbeitsort Tel Aviv: Die Stadt ist eine von vielen, in denen es eine deutschsprachige Zeitschrift gibt.
Bild: Manuela Paganini

Frühling 2014, ich absolviere mein erstes redaktionelles Praktikum bei der Unternehmerzeitung. Alles ist neu, spannend und ich gebe mir Mühe, so wichtig zu wirken, wie ich mich fühle. Daneben frage ich mich, was ich anschliessend mache. Noch ein Praktikum auf einer Redaktion ganz wo anders wäre ideal.

Ich stosse auf die Webseite der Internationalen Medienhilfe. Die verkündet, sie vermittle Praktika in deutschsprachigen Redaktionen im Ausland. Kostenlos. Die Bedingungen: Die Bewerber müssen über 20 Jahre alt sein und schon einmal auf einer Redaktion gearbeitet haben. Darunter stehen ganz viele Zitate im Stil «Vielen Dank, mein Praktikum war ganz wunderbar».

Natürlich rufe ich da an, mit klopfendem Herzen. Jaaa, doch, ein Praktikum vermitteln könnte er, sagt ein Herr in glattem Hochdeutsch am anderen Ende der Leitung. Was für Erfahrungen ich denn mitbringe, was ich mir vorstelle. Das ganze bitte schriftlich per E-Mail, in zwei Tagen dürfe ich mich nochmals melden. Zwei Tage später fragt mich derselbe Herr, ob ich lieber nach Dubai, Rumänien oder Israel möchte. Ich erhalte die Kontakte der Redaktionen und ein paar Tipps für meine Bewerbungsmail. Wohin es geht darf ich aussuchen.

Damit ist die Vermittlungstätigkeit der Internationalen Medienhilfe getan. Ich schreibe eine enthusiastische E-Mail an die Zeitschrift in Israel. Sie heisst MB Yakinton, ist seit 80 Jahren in Tel Aviv ansässig und ein Zeitzeugnis in sich. Bei MB Yakinton ist das Interesse grundsätzlich gross. Lohn ist keine Option, aber sie kümmerten sich um mich, wenn ich denn einmal da sei, schreibt man mir. Nur als es konkret wird, muss ich während vier Monaten nachfragen, bis ich die Zusage erhalte.

Viel Zeit und Hartnäckigkeit lohnt sich. Denn einmal vor Ort werde ich tatsächlich sehr gut betreut. Der Chefredaktor, Michael Dak, findet eine WG für mich, holt mich vom Flughafen ab und organisiert mir sogar ein Handy für meinen Aufenthalt. Die kommenden sechs Wochen tauche ich ein in das Archiv von MB Yakinton, schreibe wie sich dessen Berichterstattung verändert hat und halte alle anderen Eindrücke in meinem Blog fest. Ich besuche Jerusalem und das Westjordanland und ich habe tiefgründige Diskussionen mit Mitgliedern der Redaktion und völlig Unbekannten am Strand.

Die Zeit zeigt mir, wie vielschichtig der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist. Aber auch, dass das Leben dort nicht nur von dem Konflikt geprägt ist. Und wenn es überhaupt ein Fazit zu so einem komplexen Thema geben kann, dann dass Geduld mehr bringt als Verzweiflung.

Monate später bittet mich die Internationale Medienhilfe um einen Bericht über mein Praktikum. Und erst als sie den deutlich verspätet erhält, werde ich darauf hingewiesen, dass ich für ihren Dienst etwas spenden kann, wenn ich will.

Das Angebot der Internationalen Medienhilfe ist einfach, aber es öffnet Türen, von denen ich vorher nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gibt. Mit meiner Spende habe ich ein Buch erhalten. Auf 320 Seiten listet es weitere Redaktionen auf der Welt auf. Alle sind deutschsprachig und alle sind potentielle Ziele für weitere Praktika.

Manuela Paganini