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Die Sonko-Recherche: Wie man einen mutmasslichen Folterkommandanten hinter Gitter bringt

Blog

Die Sonko-Recherche: Wie man einen mutmasslichen Folterkommandanten hinter Gitter bringt

Manuela Paganini

Im Januar machte Franziska Ramser von der Rundschau publik, dass der ehemalige gambische Innenminister Ousman Sonko als Asylsuchender in der Schweiz wohnt. Und dass ihm von verschiedenen Seiten schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Am nächsten Morgen wurde er verhaftet.

Knapp zwei Wochen lagen zwischen dem ersten Hinweis und dem ausgestrahlten Beitrag. An der Wie?So! Veranstaltung von JJS in Zürich erzählte Franziska Ramser, wie sie bei der Recherche vorgegangen ist. Und worauf Junge Journalisten achten sollten, wenn sie selbst so eine Geschichte an Land ziehen.

0. Verschlüsselte Kommunikation einrichten. Wenn sichere Kommunikationsmittel nötig werden, erreicht die Geschichte mit grosser Wahrscheinlichkeit Dimensionen, welche einem nicht mehr Zeit und Energie lassen, sich auf das Konfigurieren von Mailprogrammen zu konzentrieren. Franziska Ramser spricht aus Erfahrung.
Für verschlüsselte SMS-Dienste empfiehlt Ramser die App Threema, E-Mails werden  mit PGP verschlüsselt. Für die Installation für Mac gibt es hier einen Leitfaden, für Windows hier.

1. Einen Tipp erhalten. Es lohnt sich, Kontakte in den eigenen Spezialgebieten aufrechtzuerhalten. Und sie ab und zu anzurufen und sich erkundigen wie es geht, ob es etwas Neues gibt. Natürlich gehört auch Glück dazu: Den Tipp zu Ousman Sonko erhielt Ramser von einer Person, die direkt auf sie zukam.

2. Quelle und Primeur schützen. Bei so heikeln Recherchen die Quelle wenn immer möglich persönlich treffen, statt per Mail/SMS kommunizieren. Den Namen der Quelle nicht verwenden, auch nicht in den eigenen Notizen. Innerhalb der Redaktion blieb die Geschichte um Sonko lange geheim, nur Ramser und ihr Chef wussten davon. Erst in den letzten Tagen, als Ramser die Unterstüzung des Teams für den Dreh brauchte, weihte sie ihre Kollegen ein. Externen Partnern sagte Ramser nur, es gebe Hinweise, dass Sonko in Europa sein könnte.

 

Franziska Ramser

3. Verifizieren und Recherchieren in unbekanntem Terrain. Die Funktion und Vorgeschichte von Ousman Sonko konnte Ramser dank gambischen Online-Zeitungen überprüfen. Was sie dann brauchte, waren Personen, welche die Vorwürfe gegen ihn bestätigten. Im Fall von Gambia war dabei Facebook ein zentrales Werkzeug. Selbst Diplomaten waren so am einfachsten erreichbar. Um an die richtigen Personen zu kommen, fragte sie sich durch und nutzte einzelne Kontakte als Katalysatoren: Etwa frage sie einen Online-Blogger, ob er ihr weitere Ansprechpersonen nennen könnte, welche gegen Sonko aussagen würden. So fand sie den Menschenrechtsanwalt und die Folteropfer im Beitrag. Das Netzwerk von Kontakten war auch hilfreich, um die Glaubwürdigkeit von Informanten zu überprüfen.

4. Einschätzen des Schweizer Aspekts. Haben die Schweizer Behörden richtig gehandelt? Dafür nahm Ramser mit dem Rechtsexperten Stefan Trechsel Kontakt auf, welcher später auch als Studiogast diesen Teil der Geschichte einordnete.

5. Externe Partner nutzen. Der Beitrag beginnt mit Szenen aus Gambia. Der Afrika-Korrespondent des SRF selbst war nicht verfügbar. Aber er konnte Ramser an einen deutschen Kollegen weiterverweisen, welcher die Aufnahmen dann übernahm. Für eine externe Einschätzung wandte sich Ramser an die Organisation Trial international, Amnesty International half mit, Kontakte zu finden.

6. Konfrontieren der Verantwortlichen. Erst kurz vor dem Sendetermin kontaktierte Ramser die Berner Kantonspolizei. Das Staatsekretariat für Migration und die Staatsanwaltschaft sogar erst am Tag der Sendung.

Während zwei Tagen versuchten zwei Kollegen vom Rundschauteam, Sonko vor dem Asylzentrum abzupassen. Vergeblich. Immerhin konnten Ramsers Kollegen daraufhin ins Asylzentrum an den Empfang und filmen, wie sie nach ihm fragten. Die Erlaubnis dafür gab der Berner Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser.

7. Schlussspurt. Drehen, Schneiden, Studiogespräch, Onlinetext – fertig. Aber: Nach der Geschichte ist vor der Geschichte. Aspekte, welche nicht im realisierten Beitrag Platz haben können Stoff für den nächsten sein.

Manuela Paganini