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Blog

Jetzt wird getagt: «Journalismus: Traumjob unter prekären Bedingungen?»

Elia Blülle

Möchtest du gerne an der Tagung «Journalismus: Traumjob unter prekären Bedingungen?» der SRG Deutschschweiz mit dabei sein? Junge Journalisten hat exklusiv zehn Plätze zu vergeben. Das Formular zur Anmeldung findest du weiter unten.

Im Vorfeld der Tagung vom 7. Februar suchen zwei Studierende der ZHAW junge Journalisten, die gerne vor der Kamera etwas zu ihren Erfahrungen im Beruf sagen. Wenn deine Meinung gehört werden sollte, schreibst du am besten gleich eine E-Mail an luzia.tschirky@jungejournalisten.ch.

An der Tagung beschäftigen wir uns einen ganzen Tag lang mit der Gegenwart und der Zukunft des Journalismus.
Es gibt Panels zu Datenjournalismus mit Julian Schmidli, Social Media mit Konrad Weber und Keynotes von Vinzenz Wyss und Daniel Binswanger.  Auch Junge Journalisten Schweiz diskutiert auf dem Abschlusspodium über das Thema «Wie sich der Journalismus selbst erneuern kann» zusammen mit Alexandra Stark (MAZ) und Hansi Voigt (watson). Das gesamte Programm mit allen Gästen findest du auch online.

«Müde? - Ja, vielleicht verdammt!»

Luzia Tschirky

 

Politischer, aber müde. Selbstausbeuterisch, aber informationsfaul. So beschrieb die abtretende MAZ-Direktorin gegeüber der NZZ die Schweizer Nachwuchsjournalisten. Wirklich? Wir haben nachgefragt.

von Luzia Tschirky und Elia Blülle

Im Interview mit Rainer Stadler, dem Medienjournalisten der NZZ, äusserte sich die MAZ-Direktorin über junge Journalisten. Sind wir tatsächlich politischer, als ältere Journalisten? Wollen wirklich 80% der jungen Journalisten bei den traditionellen Tageszeitungen arbeiten? Behauptungen die wir so nicht stehen lassen können. In einer Onlineumfrage von Junge Journalisten Schweiz haben 130 Nachwuchsjournalisten geantwortet. Das Resultat, soviel sei verraten, stimmt nachdenklich.

Wir machen uns müde
Wir lassen uns nicht nur ausbeuten - nein, wir würden uns gleich auch noch mitausbeuten, diese Meinung Egli von Matts teilt die grosse Mehrheit von 130 befragten Jungjournalisten. „Man will sein Können beweisen und nicht abfallen, aus Angst, dass man den Job verlieren könnte.” Es scheint keinen Ausweg aus der Selbstausbeutung zu geben: „Wenn jemand sich keine Pausen eingestehen kann, wird sogar das Feierabendbier zur Arbeit. Man könnte schliesslich auf dem Smartphone gleich noch nach Alkohol-Statistiken sondieren. Das geht längerfristig an die Substanz.” Was für Konsequenzen hat die Müdigkeit junger Journalisten? Ein Teilnehmer unserer Umfrage antwortet: „Die stressige Arbeit führt dazu, dass ich oft zum Denken zu müde bin. Der Veröffentlichungsdruck geht auf Kosten der Recherche, häufig begnüge ich mich mit blossem Googlen.” Schöne neue Journalistenwelt. In ihrem Blog antwortet  Studiengangsleiterin des MAZ, Alexandra Stark  auf die Frage von Jungjournalist Conradin Knabenhans: "Kennst du in deinem Umfeld Personen, die gerne im Journalismus arbeiten würden, es aber nicht geschafft haben? Was waren die Gründe?" Folgendes:

"Ich habe in den letzten zwanzig Jahren viele kennengelernt. Vielleicht bin ich jetzt ein bisschen böse, aber die allermeisten sind daran gescheitert, dass sie vor lauter Reden nicht dazu gekommen sind, es auch zu tun. Man darf mir jetzt auch den Vorwurf machen, ich sei elitär, aber es ist gut, dass es nicht jeder schafft. Ich finde es tatsächlich richtig, wenn sich nur die Besten durchsetzen. Und die setzen sich durch – auch wenn es manchmal (zu) lange dauert. Wer wirklich will und daran arbeitet, der schafft es auch, das sehe ich an den Generationen von Studierenden, die ich betreut habe. Allerdings sehe ich auch, dass es immer schwieriger wird und unsere Branche es sich viel zu einfach macht. Auch da möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, das zu ändern (habe Ideen, die sind aber nicht spruchreif)." Junge Journalisten Schweiz schliesst sich an dieser Stelle der Meinung Sylvia Egli von Matts an, dass generationenübergreifend zuwenig in die Zukunft der Mitarbeiter investiert wird.

Digital Natives ohne digitales Know-how
Das Internet steht längst nicht mehr unter der Vorherrschaft der Jungen. Insbesondere ältere Journalisten gehen immer noch von der Klischeevorstellung des Digital Natives aus: „Die können das doch mit diesem Smartphone und Facebook”. Weit gefehlt. Längst nicht alle jungen Journalisten sind gleich kompetent auf diesem Gebiet. Diese veraltete Ansicht erklärt auch ein stückweit die suggestiv wirkende Frage von Rainer Stadler, ob man festellen könne, dass der Nachwuchs generell Multimediatauglicher sei. Worauf die MAZ-Direktorin behauptet, von etlichen jungen sogenannten „Verweigerer” der Social Media Plattformen zu wissen. Obwohl die Meinung der Umfrageteilnehmer sich diametral unterscheidet,  ist die Frage berechtigt:  „Was könnte einen jungen Journalisten davon abhalten, riesige Recherchequellen willentlich zu ignorieren?” - Fehlender Datenschutz, Zeitmangel und mangelndes Niveau sind die meist genannten Gründe. Überzeugende Argumente sind das nicht. Die sozialen Plattformen bieten unverbrauchte Geschichten und Gesichter. Journalisten jeder Altersklasse, die immer noch die Augen vor solchen Möglichkeiten verschliessen, sind selber schuld.

Die unpolitischen “Linken”
Das Klischee „Linke Journalisten” sei alt und überholt. Davon ist nicht nur Sylvia Egli von Matt überzeugt, sondern auch Tageanzeiger Journalist Philipp Löpfe. Anders sehen das die jungen Journalisten, die Mehrheit der Gleichaltrigen sei politisch bei der SP zu verorten. Ist diese Einschätzung Roger Köppel und Konsorten zu verdanken, die solange behauptet haben wir seien in der Mehrheit links, bis wir selbst auch davon überzeugt sind? Oder sind wir aus der Sicht der Generation Post-68 konservativer und nicht mehr links-grün-alternativ?  Eine Antwort, die uns auf die Frage: „Sind wir politischer als ältere Journalisten” erreicht hat: „Ältere Journis haben politisch viel relevantere Zeiten erlebt.” oder „Wir sind keine Generation à la 'Züri brennt'.” Wir unterschätzen die Brisanz unserer Zeit. Die Nähe, respektive die Ferne von jungen Journalisten zu politischen Themen ist aber auch direkt mit dem redaktionellen Klima verbunden: „Die Newsrooms und Lokalredaktionen meiner Anfänge fühlten sich wie luftleerer Raum an. Politische Diskussionen gab es nie.” Selbstkritisch schätzt die Mehrheit unsere Generation nicht politischer ein als „ältere Journalisten”.

Alles Selbstverwirklicher
Wir sind die Kinder unserer Zeit und wollen uns mit der Arbeit selbst verwirklichen. „Aussergewöhniches” leisten, wie Sylvia Egli von Matt das nennt. Wenn die Löhne tief und die Arbeitsbelastung hoch sind, muss in anderen Bereichen kompensiert werden: „Weil nur so die ganze Ausbeutung einen Sinn hat.” Kommen alle, die sich „Aussergewöhnliches” erhoffen, eines Tages noch hart auf dem Boden der Redaktionsrealität an? Der ewige Teufelskreis aus Spar- und Zeitdruck verhindert Innovation und somit auch dieses „Aussergewöhnliche”, was sich junge Journalisten erhoffen. Wenn wir den Wunsch teilen: „Ich möchte aussergewöhnlichen Journalismus machen und auf keinen Fall in langweiligen Themen des Tagesjournalismus versumpfen.” dann müssen wir selbst innovativ werden. Ansonsten bleibt das nichts mehr, als ein frommer Wunsch. Hinter jeder Redaktion stehen Verleger und aus deren Abhängigkeit müssen wir uns selbst befreien. Niemand wird das für uns übernehmen können, auch die beste journalistische Ausbildung nicht. Sie ist vielleicht ein Weg dorthin. Umso mehr ist zu hoffen, dass die Ideen Sylvia Egli von Matts „Journalisten mit Informatikstudenten zusammenzuführen” vom neuen Direktor Diego Yanez angegangen wird. Die Ideen umsetzen, müssen dann immer noch wir. Wenn du zu den jungen Journis gehörst, die aussschliesslich 20 Minuten lesen: Sylvia Egli von Matt hat dir hoffentlich ein schlechtes Gewissen gemacht. Guten Journalismus zu konsumieren macht nicht müde und wenn nicht einmal mehr wir bezahlen, wer soll es dann sonst noch tun?

Der Link zu allen Umfrageergebnissen: https://docs.google.com/forms/d/1Y95jyHtfyfOr6WaKe28j-CvKy3Jj35g950SSfUttb0k/viewanalytics

Kostenlose Nachwuchsmitgliedschaft bei impressum

Elia Blülle

Impressum ist die älteste und grösste Schweizer Berufsorganisation für Medienschaffende. Der Verband setzt sich für die Rechte von Journalistinnen und Journalisten ein, befasst sich mit medienpolitischen Themen und bietet ihren Mitgliedern in verschiedenen Bereichen Unterstützung an. Ab dem 9. September können Mitglieder von Junge Journalisten Schweiz, welche die Jugendmedienausweis-Kriterien erfüllen, automatisch und kostenlos dem Verband beitreten und von zahlreichen Vorteilen einer Nachwuchsmitgliedschaft profitieren.

Die kostenlose Mitgliedschaft bei impressum gilt bis zum 25. Lebensjahr, danach bis 27 bezahlen sie die Hälfte des ordentlichen Mitgliederbeitrags. Oder sie bezahlen ab 25 einen Viertel, wenn sie in Ausbildung sind mehr Informationen zu Impressum unter: www.impressum.ch

Wie werde ich Nachwuchsmitglied von impressum?

Wenn du bereits JJS-Mitglied bist, hast du ein E-Mail erhalten, welches das Anmeldeverfahren erklärt. Falls Du noch nicht Mitglied bist, musst du dich zuerst bei JJS anmelden und im entsprechenden Onlineformular der impressum-Mitgliedschaft zustimmen.

Mentoringprogramm von Impressum und Junge Journalisten Schweiz

Elia Blülle

Die Mentoren von impressum stehen Dir mit Rat und Tat zur Seite und helfen Dir in Deiner persönlichen und journalistischen Entwicklung.

 

Das Mentoring-Prinzip ist simpel: Junge Journalisten Schweiz und impressum vermittelt Dir einen eigenen Mentor. Ein erfahrener, gestandener Journalist der Dich in deiner Entwicklung unterstütz und hilft journalistische Kompetenzen auszubauen.

Mentoring ist demzufolge eine berufliche, aber auch persönliche Beziehung zwischen einem professionellen Journalisten und Dir. Mit Deinem Mentor kannst Du über einen längeren Zeitraum Kontakt haben, Dich austauschen und Fragen stellen über die Medienbranche, journalistische Berufsethik und das journalistisches Handwerk.

Weiter kann Dir dein Mentor  Tipps und Tricks geben zu Deiner journalistischen Karrierenplanung. Die Mentoren profitieren vom Austausch und können von der junge Ansicht über die Medienzukunft lernen.

Das Programm beruht auf Freiwilligkeit und dem Engagement der Teilnehmenden. Wir bieten den geeigneten Rahmen und übernehmen die Vermittlung. Umfang und Schwerpunkte der Beziehung werden von Mentoren und deren Mentees jeweils individuell geregelt.

Der Einstand dieses Projektes findet am 27. Juni im Rahmen eines Apéros und einem Medienbesuch im Ringier-Medienzentrum statt. Es werden potentielle Mentoren anwesend sein, mit denen Du das erste Mal Kontakt aufnehmen kannst. Zusätzlich führt der Leiter der Ringier-Journalistenschule, Hannes Britschgi, durch den Newsroom. Der Anlass richtet sich an die Mitglieder von Junge Journalisten Schweiz und impressum. Mehr Infos zur Veranstaltung findest du in der Agenda.

Haben wir Dein Interesse geweckt? Melde Dich für den Apèro an und erfahre mehr über das Projekt. Anmeldung an: elia.bluelle@jungejournalisten.ch

Praktikum – hartes Pflaster für Medieneinsteiger

Janine Teissl

Am diesjährigen Swiss Media Forum moderierte Luzia Tschirky, Vizepräsidentin Junge Journalisten Schweiz, die Podiumsdiskussion «Generation Praktikum: Die Medienbranche und der Nachwuchs». Der Verband konnte mit der Präsenz am SMF 2013 auf die Situation von Praktikanten im Journalismus und in der PR aufmerksam machen. Zu Gast waren, Désirée Pomper, Nachrichtenchefin 20 Minuten und Verena Vonarburg, Senior Consultant bei Furrer Hugi & Partner AG.

Gezielte Betreuung und gute Entlöhnung – ein Ausnahmefall!
«Ich nehme mir Zeit, gehe mit dem Praktikanten Satz für Satz durch und bespreche den Text. Ich bin mir bewusst, dass dies redaktionell nicht 100% umsetzbar ist, versuche  aber wenigstens, mit meinen Praktikanten auf diese Weise vorzugehen.», meint 20 Minuten Nachrichtenchefin Pomper im Bezug auf Förderung und Unterstützung der jungen Journalistinnen und Journalisten im Arbeitsalltag. Dass dies in grossen Redaktionen keine leichte Aufgabe ist, mag einleuchten – etwas stutzig macht die Tatsache, dass 20 Minuten eine sehr hohe Praktikantenquote hat. Die Praktikanten generieren nahezu gleich viele Inhalte wie die anderen Journalisten. Es ist demzufolge unmöglich, dieser grossen Masse an Praktikanten immer unterstützend zur Seite zu stehen.

Wer eine Praktikumsstelle bei 20 Minuten hat, kann sich freuen, lohntechnisch sieht es gut für den jungen Nachwuchs aus. «In den ersten drei Monaten bekommt ein Praktikant 1500 und später 2000 Franken – gerade genug um über die Runden zu kommen», meint Pomper. Leider ist 20 Minuten mit diesem Lohnniveau ein Einzelfall und liegt weit über vielen anderen Praktika im Bereich Journalismus und PR. Zudem ist die Bezahlung eines Praktikanten mehr eine Aufwandsentschädigung als ein «Lohn». Man muss immer noch bedenken, dass sich der jeweilige Nachwuchs in Ausbildung befindet, Neues lernt und davon profitieren kann.

Journalist oder  doch PR Consultant?
Früher oder später zieht es viele Journalisten in die PR Branche. Es gibt geregeltere Arbeitszeiten, höhere Löhne und der Job lässt sich besser in den Familienalltag integrieren. Es sind mehr die grundlegenden Faktoren, die darüber entscheiden, ob man im Journalismus bleibt oder nicht. Auch Verena Vonarburg war Journalistin, heute arbeitet sie bei Furrer Hugi & Partner als Senior Consultant. Ihr Wechsel gründet jedoch keinesfalls in der besserem Bezahlung, für sie spielten andere Faktoren eine Rolle:«Ich wollte mein Fachgebiet – die Politik – von einer anderen Seite kennenlernen. Auch wenn mich der Familienalltag zu jener Zeit stark gefordert hatte, sah ich dieser Herausforderung mit Freude entgegen. Ich habe den Beruf als Journalistin damals geliebt.“

Praktikanten waren früher ehrgeiziger
Frau Pomper muss sich an den Kopf greifen, wenn die Bewerber betonen, wie wichtig es ihnen sei, neben dem Praktikum noch zahlreiche Hobbies zu pflegen. Sie spricht von einer sich anbahnenden Generation «Yoga», die sich mehr um eine möglichst gute «Life-Work-Balance» kümmert, als um den 150% Einsatz in ihrem Traumjob.» In den Medien wird jedoch zunehmend darauf aufmerksam gemacht, dass es wichtig sei, einen Ausgleich neben dem Beruf zu haben. Im Publikum gehen die Meinungen auseinander. Gerade junge Leute hätten noch viel Energie und müssten halt auf die Zähne beissen, wenn sie etwas erreichen wollen - früher wäre es nicht anders gewesen, so Voten von Zuschauern.

«Guter Input», meint Vonarburg, fügt aber hinzu, dass man damals den jungen Nachwuchs nie so ausgebeutet hätte. Heute sei dies Gang und Gäbe, weil es nichts Lohnenderes für eine Unternehmung gibt, als die Anstellung junger Produktionsmaschinen. Gerade deshalb sei es als Praktikant wichtig, Grenzen klar zu kommunizieren und sich nicht alles gefallen zu lassen!

In der Realität  kommt Quantität oft vor Qualität und wer aus der Masse herausstechen möchte, muss sich anstrengen. Die Medienbranche bleibt ein hartes Business und Festanstellungen werden nicht einfach verschenkt. Bleibt zu hoffen, dass sich der junge Nachwuchs nicht abschrecken lässt und weiterhin den Einstieg in die Medienbranche wagt. Dazu müssen Unternehmen sich ernsthaft über die Perspektiven, die sie dem Nachwuchs bieten, Gedanken machen. Ansonsten verlieren alle. Die Unternehmen, die Gesellschaft und letzten Endes auch die potenziellen Praktikanten.

 

 

Blogger für die Bad Bonn Kilbi 2013 gesucht!

Elia Blülle

«Where the the hell is the press?»

Das Bundesamt für Kultur (BAK) organisiert an der Bad Bonn Kilbi (23. bis 25. Mai 2013) unter dem Titel «Where the hell is the press?» ein Mentoringprogramm im Bereich Musikjournalismus. Das Pilotprojekt wird in Zusammenarbeit Ane Hebeisen (Der Bund), Yann Zitouni (Radio Paradiso, RTS) und mit dem Verband Junge Journalisten Schweiz durchgeführt. Du kannst Dich ab sofort bewerben!

«Where the the hell is the press?» bietet sechs vielversprechenden Musikjournalistinnen und -journalisten eine praxisnahe Aus- und Weiterbildung. Gemäss unabhängigen, gemeinsam definierten redaktionellen Richtlinien wird die neue multimediale und dynamische Plattform www.wherethehellisthepress.net konzipiert und mit Texten, Tönen und Bildern alimentiert. Als Mentoren konnten Ane Hebeisen von der Berner Tageszeitung «Der Bund» und Yann Zitouni von der Sendung Radio Paradiso der Radio Television Suisse gewonnen werden. Sie werden die Teilnehmenden während des Festivals anleiten, coachen und kritisieren. Das Pilotprojekt soll eine Diskussion über die Kulturkritik und den Kulturjournalismus in den Schweizer Medien sowie über den Kritikerberuf anregen.

Das Bundesamt für Kultur deckt die Kosten der Anreise, Übernachtung, Akkreditierung sowie die allgemeinen Kurskosten. Die Bewerbungsfrist läuft bis am 12. Mai 2013.

Interessiert? Hier geht es zu weiterführenden Informationen und zum Bewerbungsformular!

Aus Junge Medien Schweiz wird Junge Journalisten Schweiz

Elia Blülle

Der nationale Verband für den Mediennachwuchs orientiert sich neu: Aus dem seit 1998 bestehenden Verein Junge Medien Schweiz wird Junge Journalisten Schweiz. Gleichzeitig schliesst sich der Verband mit dem Netzwerk Jungejournalisten.ch zusammen, von welchem er auch den Namen übernimmt.

Mit diesen Schritten werden bestehende Kräfte gebündelt. Das Ziel: Jungen Journalisten einen Ort des Austausches und der Unterstützung bieten. Denn der frisch gewählte Verbandspräsident Elia Blülle (19) ist sich bewusst: «Das Medienbusiness wird immer härter, darum müssen wir zusammenhalten.»

Networking, Beratung, Anlässe

Das Angebot von Junge Journalisten Schweiz umfasst Networking-Anlässe, Aus- und Weiterbildungen in ganz Europa, einen international anerkannten Jugendmedienausweis sowie Beratungsangebote für junge Medienschaffende. So lädt der Verband im Mai am Swiss Media Forum in Luzern zu einer Podiumsdiskussion rund um das Thema «Generation Praktikum» ein. Ebenso ist Junge Journalisten Schweiz im Juli als Projektpartner beim internationalen Bodenseecamp dabei. Das viertägige Camp im Dreiländereck bietet Jugendlichen die Chance, in Workshops das Medienhandwerk kennenzulernen.

Jugendmedientage zum Zweiten

Das Highlight des Jahres sind die Schweizer Jugendmedientage, die Junge Journalisten Schweiz im September 2013 in Zürich zum zweiten Mal durchführt. Rund 70 Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten treffen auf Medienprofis, knüpfen Kontakte und machen gemeinsam Medien.

Am Netzwerk aktiv teilhaben können alle jungen Medienschaffenden bis zum Alter von 30 Jahren. Der Jahresbeitrag beträgt 30 Franken, wobei Angehörige eines von Junge Journalisten Schweiz anerkannten Jugendmediums von einer Vergünstigung profitieren.

So schön waren die ersten Schweizer Jugendmedientage

Luzia Tschirky

Rund 75 junge Journalistinnen und Journalisten lernten im Workshop ihrer Wahl das Handwerk der Zukunft, diskutierten mit Cracks aus der Medienszene, besichtigten eine der grossen Zürcher Redaktionen und erhielten einen Überblick über die Einstiegschancen in den Journalismus. Das waren die ersten Schweizer Jugendmedientage vom 19. bis 21. Oktober 2012.

Für alle, die nicht dabei sein konnten oder noch einmal in Erinnerungen schwelgen möchten: Der Newsroom der Jugendmedientage hat auf unserem Blog und in gedruckter Form über den grössten Jugendmedienevent des Landes berichtet.

Die Jugendmedientage finden im Herbst 2013 wieder statt. Damit du das Datum zuerst erfährst, like uns doch gleich auf Facebook und folge uns auf Twitter.

Meine Generation geniesst nicht. Sie kämpft!

Luzia Tschirky

Faul, nicht engagiert und nur hinter dem Geld her. So beschreibt Pauline Tillmann junge Journalistinnen und Journalisten in ihrem Blog. Eine Replik, weswegen wir keine verwöhnten Gören sind.

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Pauline Tillmann und ich anderer Meinung sind, wenn es um den Nachwuchs im Journalismus geht. Sie vertrat schon früher die Meinung, dass es nicht viele engagierte Nachwuchsjournalisten gebe. Heute spricht sie gar von einer «Inflation der Mittelmässigkeit». Zu viel Geld würde für eine nicht grösser werdende Menge an gutem Nachwuchs ausgegeben.

29 Jahre alt und enttäuscht. Enttäuscht von ihrer und meiner Generation. Als Pauline Tillmann vor zehn Jahren in den Journalismus eingestiegen ist, schien alles noch besser. Da kämpften die jungen Journalisten, da wurde noch richtig gearbeitet. Ja, damals hatten wir noch Eleganz! Die jungen Journalisten wüssten heute nicht mehr, worin sich eine Reportage von einem Portrait unterscheide. Als «die verwöhnte Generation» werden wir bezeichnet. Zu viele Förderprogramme würden uns angeboten, weswegen wir uns nun in unseren Sesseln zurücklehnen würden und auf die gebratenen Tauben warten. Wo aber sind die Tauben, die uns angeblich allen zufliegen?

Die Schweiz ist nicht Deutschland

In der Tat gibt es in Deutschland mehr Förderprogramm als im südlichen Nachbarland. Allerdings gibt es in Deutschland auch einen grösseren Bedarf an Journalisten und gleichzeitig ist die Situation um einiges prekärer als in der Schweiz. Jedes Mal, wenn ich mich mit meinen deutschen Kolleginnen und Kollegen unterhalte, wird mir bewusst, wie angenehm die Situation in der Schweiz ist. Viele Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten müssen sich durch unzählige unbezahlte Praktika kämpfen. Diese sind in der Schweiz noch immer verpönt, in Deutschland aber mehr die Regel als eine Ausnahme. Allen ist bewusst, dass sie kämpfen müssen, wenn sie es «zu etwas bringen» möchten. Pauline Tillmanns Vorwurf, vielen Journalisten würde es nur ums Geld gehen, verstehe ich umso weniger, als er aus Deutschland kommt. Noch nie habe ich von einem jungen Journalisten oder einer jungen Journalistin gehört, er oder sie habe diesen Beruf wegen des Geldes gewählt. Wer Geld verdienen möchte, studiert Betriebswirtschaftslehre oder Jura. Woher also zieht Pauline Tillmann ihre Schlüsse? Die Frage wird an keiner Stelle des Textes beantwortet. Mit der generellen Beschreibung «aus meiner persönlichen Erfahrung» werden alle Thesen für gültig erklärt. Pauline Tillmann liefert damit gleich selbst ein Beispiel von qualitätslosem Journalismus, welchen sie selbst anprangert.

Die Generation der Zahnlosen?

Uns würde der Biss fehlen, wir würden oft nicht mehr einbringen, als minimal von uns verlangt werden würde. Ist es nicht viel mehr der Journalismus im Allgemeinen dem der Biss verloren geht gegenüber den Heerscharen von PR-Agenturen? Ein Blick auf die Liste «30 unter 30» genügt, um zu sehen, dass es viele Nachwuchsjournalisten mit Biss gibt. Ja, Pauline Tillmann ist auf dieser Liste in Deutschland. Neben ihr stehen dort auch die Namen 29 anderer Nachwuchstalente, jeder und jede ein Beweis für sich. Pauline Tillmann nimmt sich derweil aus der grossen Masse an Nachwuchsjournalisten aus. Sie könne selbstverständlich nicht der Massstab sein, habe man ihr gesagt.

Jung und unbescheiden

Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Eindruck habe, dass Journalisten sich selbst zu stark aufplustern. Ich bin mit meinen 21 Jahren die jüngste auf der Liste «30 unter 30» in der Schweiz. Nie im Leben würde es mir aber in den Sinn kommen, mich selbst als etwas Aussergewöhnliches zu betrachten. Pauline Tillmann ist weder die erste noch die letzte Nachwuchsjournalistin, die ihr Leben dem Journalismus unterordnet. Statt uns zu beschweren, sollten wir uns besser füreinander einsetzen. Dafür gibt es die ersten Jugendmedientage in der Schweiz.

Wir engagieren uns

Jugendmedientage sind eine Idee, die wir aus Deutschland übernommen haben. Werden nun die jungen Journalisten alle faul und unengagiert? Reicht es zu sagen, dass kein Mitglied aus dem Organisationsteam älter als 23 Jahre ist? Auch Pauline Tillmann setzt sich als Workshopleiterin und Referentin für die Jugendpresse Deutschland ein. Fragt sich nur wieso, wenn ihr allgemeines Bild von der nächsten Generation so schlecht ist. Liebe Pauline: Zwischen dem 19. und 21. Oktober kannst du dich in Zürich selbst davon überzeugen, dass wir engagiert sind, Biss und das nötige Bewusstsein haben. So, und jetzt muss ich mich leider entschuldigen. Ich muss zurück an die Arbeit, die nebenbei unbezahlt ist.

Unsere Zukunft #6 – Nicolas Kreutter

Konrad Weber

 «Wer weiterkommen will, muss mehr Gas geben.»

Er ist einer der Wenigen, die es geschafft haben, im deutschen Ausland ans Radiomikrofon zu kommen. Als «Der Schweizer» wurde Nicolas Kreutter (29) in der preisgekrönten Morgenshow bei 105’5 Spreeradio Berlin bekannt. Seit Kurzem ist er Autor einer Berliner TV-Produktionsfirma und Radiocoach. Als Erster der sprechenden Zunft stellt Nicolas Kreutter sich im Mailinterview den Fragen der Serie «Unsere Zukunft».

Nicolas Kreutter (29), Moderator bei 105’5 Spreeradio Berlin

Als kleiner Junge träumtest du davon, beim Radio zu arbeiten. Was sollte ein Jugendlicher, der zum Radio will, mitbringen?

Neugier, Disziplin, Fleiss, Mut und Pünktlichkeit. Unbestechlich sollte er natürlich auch sein.

Den einen richtigen Weg zum Moderator gibt es bekanntlich nicht. Manche waren Lehrer, Zeitungsjournalisten, Werber, Musiker. Wer unbedingt Radiomoderator werden will, der schafft es auch. Mein Tipp: Von unten nach oben arbeiten. Wer bei einem kleinen Sender anfängt, hat viele Freiheiten, kann sich austesten und merkt sehr schnell, ob es wirklich Spass macht. Und wer weiterkommen will, muss besser sein und mehr Gas geben als die andern – eigentlich wie in jedem Job.

Wie dein journalistisches Vorbild – Günther Jauch?

Absolut. Jauch ist einer, der konsequent an sich arbeitet und sich immer wieder neu erfindet. Das ist spannend und macht langfristig erfolgreich. Ansonsten finde ich Benjamin von Stuckrad-Barre toll. Er macht eine leider wenig beachtete Polit-Show auf dem Spartenkanal ZDF Neo. Ausserdem schreibt er wunderbar entlarvende Politiker-Porträts für den Axel Springer Verlag.

Was können wir Schweizer Medienschaffenden denn von den deutschen Kollegen lernen?

Von den Deutschen? Die können unglaublich viel trinken, bei Firmenfeiern saufen die dich unter den Tisch.

Ich glaube, ein reger Austausch findet mittlerweile schon statt: Ralf Grosse-Bley ist Blick-Chef und Roger Schawinski war schon Sat1-Chef.

Auf jeden Fall haben die deutschen Medienleute ein unglaubliches Arbeitstempo, davon sollten wir uns eine Scheibe abschneiden.

Welches ist dein grösster Fehler, den du rückblickend in deiner journalistischen Karriere begangen hast?

Man kann keine Fehler machen, sondern nur wichtige Erfahrungen sammeln. Am Anfang, als ich 22-jährig war, bot man mir eine Morningshow an. Als es dort überhaupt nicht lief, schmiss ich nach einem Jahr alles hin. Kurz darauf hat es mich nach Berlin verschlagen. Jeder Misserfolg ist auch eine Chance.

Du scheinst gerne auszupobieren: Tust du auch aktiv etwas, um den schlechten Ruf der Medienschaffenden zu verbessern?

Wir haben einen schlechten Ruf? Davon weiss ich nichts. Klingt ja so, als wären wir Betrüger und würdenden Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Wir müssen selbst aufpassen, dass wir nicht die Meinung von Politikern, Wirtschaftsleuten und Kulturschaffenden zu den Medien als die Wahrheit erachten.

Welches Berufsziel hast du momentan vor Augen?

Ursprünglich wollte ich mal «10vor10» moderieren, weil das Studio damals so toll aussah. Das heutige gefällt mir leider gar nicht.

Meine neue verträumte Vision ist es, irgendwann mal eine Produktionsfirma zu besitzen, die aussergewöhnliche TV- und Radiosendungen herstellt und dafür mit Preisen überhäuft wird.

Hat es der Mediennachwuchs dank Online-Vernetzungsmöglichkeiten heute einfacher, Fuss zu fassen?

Jein. Um aus der Masse herauszustechen, braucht man schon eine großartige Idee. Ein Freund von mir fing an über seine Erlebnisse im Berliner Nachtleben bei Myspace zu schreiben. Bereits nach einem Jahr war dieser Blog so beliebt, dass ihm ein Verlag anbot, seine Kolumnen als Buch zu veröffentlichen. Ich hingegen schreibe schon seit Jahren unter www.der-schweizer.com einen Blog, aber von mir wollte nicht mal jemand einen Ausdruck.

Welches sind die grössten Herausforderungen für junge Journalistinnen und Journalisten in Zukunft?

Auch wenn sich mittlerweile die Verbreitungswege von Medien durch das Internet verändern, gewinnt am Ende immer noch eine gute Idee. Wer gute Ideen hat, wird vorankommen.

Wichtig wird deshalb die Handhabung des Urheberrechts. Wer gute Ideen ins Internet stellt, muss als Verfasser besser geschützt werden. Es kann nicht sein, dass Werke von Journalisten, Musikern oder Filmemachern einfach kostenlos getauscht, kopiert und vervielfältigt werden, ohne dass der Verfasser daran etwas verdient.

Du meintest vorher, der schlechte Ruf der Medienschaffenden sei ein Gespenst. Was war die schönste Reaktion auf deine Arbeit?

An meinem letzten Arbeitstagbei Spreeradio bekam ich eine Hörermail: Darin bedankte sich jemand für meine Arbeit und meinte, ich gehörenach sieben Jahren Morgensendung irgendwie schon zu seiner Familie, obwohl wir uns nie persönlich getroffen hätten.Welch’ schöneres Kompliment gibt es für einen Medienschaffenden?