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Blog

Ausschreibung Challenge Europe 2016

Miriam Suter

Der grösste Presseraum Europas – und du mittendrin!

Triff in Brüssel Schweizer Auslandskorrespondenten und Journalisten, die mit Jean-Claude Juncker quasi per Du sind. Nicht zu unterschätzen sind auch das Brüsseler Nachtleben und die berüchtigten Pommes Frites – die besten der Welt sollen sie sein.

Das europäische Abenteuer ermöglicht dir Junge Journalisten Schweiz: Wir reisen vom 4. bis zum 11. September mit einer kleinen Gruppe nach Brüssel und erkunden die Stadt, die Medien und die europäischen Institutionen. Mit einer kurzen Bewerbung (zu deiner Person und journalistischer Erfahrung) und einem Teilnehmerbeitrag von 200 CHF bist du dabei. Im Preis inbegriffen: Reise, Unterkunft, Verpflegung sowie das Programm.

Und das ist noch nicht alles: Du hast die Gelegenheit, bei Vorbereitungstreffen in Bern mit schweizerischen und europäischen Politikern, Lobbyisten und NGO-Vertretern zu sprechen und mehr über die EU und ihre Beziehungen zur Schweiz zu lernen. 

Reserviere dir hierfür folgende Daten: 23. August, abends an der Uni Zürich; 27. August, ganztags in Bern; 24. September, ganztags in Bern.

JJS organisiert die Reise in Zusammenarbeit mit Young European Swiss (YES). Für die Teilnahme wird die JJS-Mitgliedschaft vorausgesetzt.

Melde dich bis am 31. Juli an! Die Plätze sind leider begrenzt.

Name *
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Geburtsdatum *
Geburtsdatum

Junge Medien - das Zürcher Stadtmagazin Tsüri.ch

Janine Teissl

Am 18. Januar 2015 war es soweit: Nach mehrmonatiger Vorbereitung ging das Zürcher Stadtmagazin Tsüri.ch live. Mit an Bord: Über zehn Journalistinnen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichsten Erfahrungen sowie Interessen. Inzwischen ist die Redaktion auf 25 Personen angewachsen und publiziert unter anderem Beiträge zu den Themen Politik, Gesellschaft und Kultur. Tsüri.ch hat sich einem modernen, kritischen, engagierten und unabhängigen Lokaljournalismus verschrieben und konnte sich so innert kürzester Zeit bei einer jungen Zielgruppe als Medium etablieren. Inzwischen besuchen im Schnitt monatlich 20'000 User die Webseite des Magazins. Der Initiant Simon Jacoby schreibt für unseren Blog, weshalb er nichts gegen Katzen auf Newsportalen hat, aber...

Ich habe nichts gegen Katzen auf Newsportalen, aber…

Diese kleinen schnurrenden Geschöpfe im Internet jagen jedem kulturpessimistischen Journalismusbeobachter Furcht und Schrecken ein: JUNGE INTERESSIEREN SICH NUR NOCH FÜR KATZEN-VIDEOS STATT FÜR INHALTE!!! Tja, leider falsch. Auch das Angebot bestimmt die Nachfrage. Wer seinen Lesern und Usern Katzen zum Frass vorwirft, muss sich nicht wundern, wenn sie verspeist werden.

Tsüri.ch versucht den Spiess umzudrehen – bisher mit Erfolg: Sieben der zehn meistgeklickten Beiträge seit dem Start im Januar 2015 haben so rein gar nichts mit billiger Unterhaltung am Hut. Dies schätzt unsere Zielgruppe sowieso nicht, denn sie interessiert sich vorwiegend für Kultur, Kunst, Politik und Gesellschaft. Es sind zwar nicht die ganz Jungen, aber immerhin die Mittzwanziger, welche von den traditionellen Medien meist vernachlässigt werden. Egal wie schwer und komplex ein Thema auch sein mag: Junge interessieren sich dafür – warum sollten sie auch nicht?! Alles ist eine Frage der passenden Form (Text, Listicle, Video, Bilder), der Haltung, des Engagements, der Zugänglichkeit und der Glaubwürdigkeit.

Die Redaktion von Tsüri.ch versteht sich als Teil der Community, begegnet ihr auf Augenhöhe und betreibt, wenn nötig, anwaltschaftlichen Journalismus.

Damit sind wir bei einem Punkt angelangt, der nicht nur intern immer wieder für Diskussionen sorgt: Wo ist die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus? Muss diese fix gezogen werden? In Zeiten des Informationsüberflusses, in Zeiten der „geruchs-, gefühls-, geschmackslosen“ Mainstreammedien (Christof Moser, Schweiz am Sonntag), wenn wirtschaftliche Interessen die Arbeit in den Redaktionen beeinflussen, kann ein bisschen ehrlicher Aktivismus nicht schaden. Im Gegenteil: Bewegung tut gut.

In seinem Blogpost liefert Angelo Zehr 9 Gründe, warum es nice ist, heutzutage jung und Journalist zu sein. Er hat Recht. Es ist eine wunderbare Zeit, jung und Journalist zu sein: Die Strukturen sind festgefahren, die Inhalte und Formen wirken (mit wenigen Ausnahmen) alle in etwa gleich. Es braucht Leidenschaft, eine gute Gruppe von motivierten Freaks und dann werden wir Inhaltsmenschen gewinnen.

Simon Jacoby

Rambojournalisten in Town

Elia Blülle

Der Vierfachmord von Rupperswil ist aufgedeckt. Der Katalysator der geografischen Nähe hat auch meine emotionale Bestürzung verstärkt: Rupperswil ist die Nachbarsgemeinde meines Wohnortes, der mutmassliche* Täter hat Junioren trainiert, gegen die ich als Kind Fussball spielte und wir drückten bei den selben Mittelschullehrern die Schulbank. Ich kenne ihn nicht und gleichwohl bin ich nicht gefeit vor Verknüpfungen. Ein medialer Bankrott in drei Teilen.

1. Gibt es Klicks, scheiss auf Sorgfaltspflicht

David Wiederkehr, Sportredaktor  beim «Tagesanzeiger», twitterte den Ausschnitt einer SMS-Konversation zwischen ihm und einem Blick-Journalisten. In dieser Textpassage fordert der Blick-Journalist seinen Kollegen dazu auf, er solle ein richtiges Foto des Täters auftreiben, da ansonsten eventuell ein Unschuldiger diffamiert würde. Wir halten zwei Dinge fest: 

  1. Der entsprechende «Blick»-Journalist versuchte, mit einer Erpressung an ein Foto des Täters zu gelangen und…

  2. nimmt in Kauf, ein Foto von jemandem zu veröffentlichen, bei dem er sich nicht sicher ist, ob dieser auch wirklich der Täter ist.  
2. Der Name ist Sippenhaft

Der Deutsche Pressekodex legt in seinen publizistischen Grundsätzen fest: «Die Presse veröffentlicht [...] Namen, Fotos und andere Angaben, durch die Verdächtige oder Täter identifizierbar werden könnten, nur dann, wenn das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit im Einzelfall die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegt.» Betroffen sind im vorliegenden Fall der Täter und sämtliche Personen, die mit ihm in Verbindung gebracht werden könnten.

Der Bruder des Täters wurde in verschiedenen Artikeln mit Angaben zu Wohnort und Familienverhältnis erwähnt. In Kombination mit dem Namen des Täters ist es für jeden Hobbygoogler ein Leichtes, die Adresse, die Namen der Kinder, den Arbeitsplatz ausfindig zu machen. Die Region Aarau ist ein kleinräumiges Gebiet. Man kennt sich. Fragen wie «Stimmt es, dass dein Onkel vier Menschen gekillt hat» werden kommen, wenn Journalisten nicht aufpassen. 

Die Angehörigen haben ein Anrecht darauf selbst zu entscheiden, ob sie mit dem Täter in Verbindung gebracht werden möchten. Ihre Würde hat oberste Priorität, auch sie sind indirekte Opfer. Dessen ungeachtet teilten auf Twitter diverse Journalisten und Journalistinnen leichthin den Nachnamen des Täters. Es ist klar, wer will, kommt auch ohne Hilfestellung der Journalistengilde an die Persönlichkeitsangaben und doch ist die Posaune lauter als eine Flöte. Es liegt in der Pflicht der Journalisten und Journalistinnen, mit ihrer erhöhten Wirksamkeit in der Öffentlichkeit verantwortungsvoll umzugehen. Im Falle eines eingesperrten Täters, von dem keine Gefahr mehr ausgeht, besteht kein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit, den Namen zu erfahren. Die Privatsphäre der Angehörigen ist zu wahren; das ist Opferschutz. Es gilt, was der Supportdienst von Twitter rät: «Erst denken, dann twittern.»

3. Du schreibst über Bin Laden? Du Sau!

Die «Schweiz am Sonntag» und der «Blick» haben die Maturitätsarbeit des Täters ausfindig gemacht. Die «Schweiz am Sonntag» schreibt: «Seine Interessen für Gewalt und Zerstörung schienen schon seit Jahren in ihm zu schlummern. Seine Matura-Arbeit verfasste er über den Terroristen Osama Bin Laden und die Anschläge von New York.» Mit Bezug auf diesen Artikel doppelt der «Blick» nach: «Die Bestie von Rupperswil hatte offenbar schon als Schüler eine Faszination für Gewalt.»

Das ist ein haarsträubender, unzulässiger Umkehrschluss und geifernde Küchenpsychologie. Aber viel schlimmer ist auch hier wieder die vernachlässigte Sorgfalt. Die «Wahrung der Menschenwürde» steht nicht nur als erstes Grundrecht in der Bundesverfassung, sondern auch in den Richtlinien des Schweizer Presserates. Auch «die Bestie» hat Anrecht auf Würde. An den Haaren herbeigezogene Interpretationen seiner Psyche als Mittel für höhere Klickzahlen sind eine eindeutige Verletzung dieser Devise. Die scheinbare Proportionalität zwischen Schwere der Tat und Rücksichtslosigkeit der Journalisten ist beschämend. 

Willkür, Pranger und Würdeverletzungen. Ich gehöre nicht zu denen, die pauschal den Boulevardjournalismus in die Schmuddelecke verorten, doch muss es möglich sein, auch wenn es um Verbrecher geht, moralische Leitlinien zu wahren. Wenn Journalisten potentiell billigen, dass ein beliebiger Fussballtrainer fälschlicherweise als Mörder deklariert wird (siehe Bild), ist das ein Vertrauensbruch gegenüber den Lesern und der allgemeinen Öffentlichkeit. Ich habe Fussball gespielt, lebe in der Region, besuchte im selben Ort die Kantonsschule. Bin ich sicher vor Verknüpfungen? Bei solchen Praktiken müssen wir uns nicht wundern, dass die Medien an Kredibilität verlieren und Trolle die Kommentarspalten vergiften; sie haben kein besseres Vorbild. Ich für meinen Teil habe präventiv die Maturitätsarbeit des Täters für die nächsten Monate bei der Kantonsschule reserviert. Weitere Psychoanalysen auf der Basis eines 13 Jahre alten Dokumentes ertrage ich nicht mehr. 

* «Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.», StPO 312

ZUM AUTOR
Elia Blülle ist freischaffender Journalist und lebt in Aarau. Bis Februar 2016 war er Präsident von Junge Journalisten Schweiz. Dieser Blogpost erschien zunächst auf www.ebluelle.ch. Bild: Twitter.com/Philippe Wampfler

Junge Medien - Journalismus Y

Janine Teissl

Die Welt wird immer schlechter? Nein. Luca Ghiselli und Angelo Zehr glauben das nicht. Und sie mögen es auch nicht, wenn alte graue Anzugträger an Journalismus-Tagungen genau das für den Journalismus prophezeien. Mit ihrem Audio-Podcast Journalismus Y versuchen sie ein Gegengewicht zu bilden und diskutieren über die technischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die Digitalisierung des Journalismus mit sich bringt. Immer kritisch, aber immer optimistisch und immer wieder mit spannenden Gästen (interviewt werden nur junge Journalisten. Grundregel: Traue keinem über 30). Im Blog nennt dir Angelo Zehr...

Zeichnerin: Anna-Lena Zimmermann

9 Gründe, warum es nice ist, heutzutage jung und Journalist zu sein

Du hasst Listicles? Sorry, da musst du jetzt durch. Aber es lohnt sich. Wenn du unten angekommen bist, bist du resistent gegen jegliche «oh mein Gott dieses Internet ist so schlimm und macht unseren Journalismus kaputt» - Plattitüden. Versprochen.

1. Wir wurden noch nie so oft gefragt
Noch nie waren die Fragezeichen, wie es weitergeht mit dem digitalen Journalismus, grösser. Das klingt jetzt, als wäre das etwas Schlechtes. Ist es aber nicht. Als Generation der Digital Natives wird uns nämlich zugetraut, dass wir bei der Auflösung dieser Fragezeichen eine wesentliche Rolle spielen. Und das ist völlig neu. Oder wurden unsere Eltern nach ihrer Einschätzung gefragt, als sie mit 25 ins Berufsleben gestartet sind? Soweit ich weiss nicht. Aber mir geschieht das ständig.

2. Es war noch nie so gratis
Der Text, den du gerade liest, wurde auf einem billigen Laptop getippt, gratis auf einen Blog gestellt und in der ganzen Welt gratis angeschaut. Den Podcast Journalismus Y nehmen wir auf achtzigfränkigen Mikros auf, stellen ihn auf Soundcloud, Youtube und Wordpress und das Ganze kostet uns monatlich etwa so viel wie zwei grosse Bier. Ich weiss nicht wie ihr das seht, aber ich find das grossartig.

3. Es war noch nie so mobil
Wie sieht dein Homescreen auf deinem Smartphone aus? Also ich hab da eine Kamera, drei soziale Netzwerke, unzählige News-Apps, Periscope, u.v.m. Aus unserer Hosentasche können wir Inhalte aus der ganzen Welt konsumieren oder eigene Inhalte in ebendiese Welt rausposaunen. 3G sei Dank. Berichterstatten von unterwegs war noch nie so einfach.

4. Es hat (glaub) noch nie so viel Spass gemacht
Zugegeben, das kann ich nicht abschliessend beurteilen – Zeitreisen wurden noch nicht erfunden. Aber wenn ich daran denke, wie wir in der journalistischen Arbeit heute Video, Text, Foto, Grafik, Ton, Gamification, User-Interaktion und all diese Dinge miteinander kombinieren, kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Arbeit je abwechslungsreicher war.

5. Lernen war noch nie so einfach
Kennst du Coursera? Lynda.com? Codecademy? Nein. Aber Youtube kennst du. Such mal nach «how to» und staune. Der Mensch scheint von Grund auf ein Wesen zu sein, das gerne Wissen teilt. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man sich heutzutage echt alles – vom Fotografieren übers Filmen, vom Programmieren übers Schreiben – selbst aneignen kann.

6. Dinge anders machen war noch nie so willkommen
Als ich ins Berufsleben gestartet bin, hab ich erst einmal beobachtet, wie alles so läuft und wollte mich anpassen. Wollte die Dinge so machen, wie sie die anderen machen. Doch dann merkte ich – die meisten möchten viel eher wissen, was man anders bzw. besser machen könnte. Die Ungewissheit, wie es die nächsten Jahre weitergeht, mag einigen ungeheuer sein. Wer sich darauf einlässt und versucht, das Beste daraus zu machen, wird gewinnen.

7. Geld verdienen wird noch einfacher. Versprochen.
Bernie Sanders hat 112 Millionen Dollar aus Kleinspenden eingenommen. Warum das etwas Gutes ist? Wenn es endlich an der Tagesordnung ist, dass wir auch kleine Beträge ohne viel Aufwand und ohne Gebühren übers Internet hin und her schicken, beginnt im Internet-Journalismus ein neues Zeitalter. Das ist jetzt eine etwas gewagte Prognose, zugegeben, aber es gibt heute schon diverse Blogger, die von solchen kleinen Beträgen leben können. Und ich bin sicher, es werden immer mehr.

8. Vernetzen war noch nie so einfach
Hi I’d like to add you to my professional network on LinkedIn. Es gibt zwar wenig nervigere Mails als diese, aber das dahinterliegende Motiv ist super: Vernetzt euch. Geht an die Veranstaltungen von den Jungen Journalisten, lernt Leute kennen, tretet Facebook-Gruppen bei oder folgt inspirierenden Leuten auf Twitter. Und ihr werdet sehn – plötzlich führt eines zum anderen und ihr seid einen Schritt näher an eurem Job oder was auch immer ihr sucht.

9. Just do it
Mach’s einfach. Du wirst es nicht bereuen. Starte deinen eigenen Wordpress-Blog, Podcast, Youtube-Kanal oder fang an, indem du einfach deine bestehenden Kanäle wie Facebook, Twitter oder Instagram nutzt und deine Inhalte damit streust. Und vor allem: Keine Angst vor Experimenten. Wenn sich in einem Punkt alle Experten und Zukunftsforscher einig sind, dann in diesem: Probieren geht über studieren.

Angelo Zehr

Junge Journalisten Schweiz an der re:publicaTEN in Berlin

Janine Teissl

Die re:publica ist eine der weltweit wichtigsten Events zu den Themen der digitalen Gesellschaft. Sie fand letzte Woche zum zehnten Mal in Folge statt und auch dieses Mal war eine Delegation von Junge Journalisten Schweiz an der dreitägigen Konferenz dabei.

Die Liste der namhaften Referenten war lange: Edward Snowden wurde live aus Moskau zugeschalten, die britische Feministin Laurie Penny begeisterte das Publikum mit ihrer erfrischenden Vorstellung und die Publizistin Carolin Emcke hielt eine bemerkenswerte Keynote über die «Raster des Hasses». Kolumnist Sascha Lobo forderte in einem feurigen Plädoyer das Publikum und die vielen anwesenden JournalistInnen auf, eigene Unternehmen zu gründen und so Alternativen zu etablieren. Unter den Journalistinnen und Journalisten war Snapchat das ganz grosse Thema. Wieso weiss niemand wirklich. Jedenfalls sorgte der junge Joshua Arntzen mit seinem Panel Snapchat für Erwachsene dafür, dass nun alle re:publica-Gänger über den neusten Social-Media-Hype im Bilde sind.

Wie es an einer Netzkonferenz üblich ist, wurden fast alle Keynotes und Podien aufgenommen und können auf der re:publica-Website oder direkt auf YouTube nachgeschaut werden. Weitere spannende Infos zur re:publica können auf Spiegel Online oder der Website des Tagesspiegels gefunden werden. Die nächste re:publica findet im Mai 2017 statt.

Elia Blülle

Margrit Sprecher über die Lage der Medien und den journalistischen Nachwuchs

Miriam Suter

Die Schweizer Journalistin und Autorin Margrit Sprecher gilt als die Grande Dame des Reportagenjournalismus. Nun wurde sie mit dem Swiss Press Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Wir haben mit der Bündnerin darüber gesprochen, wie sie die aktuelle Lage der Medien beurteilt und was sie über den journalistischen Nachwuchs in der Schweiz denkt.

"Kein anderer Beruf führt in so viele unterschiedliche Milieus." Margrit Sprecher

"Kein anderer Beruf führt in so viele unterschiedliche Milieus." Margrit Sprecher

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Schon in den ersten Schulklassen habe ich entdeckt, welche Kraft in Wörtern steckt und wie schön es ist, mit ihnen ganze Welten zu bauen.

… und warum sind Sie Journalistin geblieben?

Kein anderer Beruf führt in so viele unterschiedliche Milieus. In keinem anderen Beruf kommt man fremden Menschen in so kurzer Zeit so nahe.

Digitalisierung, Schnelligkeit vor Qualität, Social Media: Alle sprechen von den grossen Veränderungen im Journalismus. Was bleibt gleich?

Das Wichtigste ist damals wie heute: Ohne wirkliches Interesse (nicht Neugierde!) für andere Menschen macht der Job weder im Newsroom noch in der Chef-Etage Freude.

Sie wurden kürzlich für ihr Lebenswerk mit dem Swiss Press Award ausgezeichnet und haben auf der Bühne gesagt: «Nach diesem schönen Abend habe ich das Gefühl, dass meine besten Reportagen noch vor mir liegen.» Welche Geschichten wollen Sie noch schreiben?

Wunschreportagen sind gefährlich. Meist werden sie zur Enttäuschung, weil die eigenen Erwartungen viel zu hoch sind. Zur Wunschreportage wird bei mir immer die Reportage, an der ich gerade arbeite. Das Thema ergibt sich meist zufällig und kurzfristig.

Sie arbeiten selbst in der Journalistenausbildung: Wie empfinden Sie den Schweizer Nachwuchs?

Handwerklich ist er weitaus besser ausgebildet als alle früheren Journalisten-Generationen. Seltener geworden ist dagegen der Wille, einen anderen Blickwinkel zu finden, sich abzusetzen vom Mainstream – vermutlich aus Zeitmangel. Seltener geworden sind auch das professionelle Selbstbewusstsein und der Wille, Überdurchschnittliches zu leisten. Warum nicht mal in eine Geschichte, die einem am Herzen liegt, so viel Zeit investieren, wie sie tatsächlich braucht? Und dies, obwohl diese Zeit nicht bezahlt wird?

Interview: Miriam Suter

 

Junge Medien - diePerspektive

Janine Teissl

Junge Menschen wollen sich an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligen. Sie möchten bejammern, was sie stört und loben, was sie glücklich macht. Dafür braucht es Plattformen, die jedem zugänglich sind und von allen genutzt werden können. Der Verein diePerspektive wurde vor sechs Jahren zu genau diesem Zweck gegründet. Mit einem Printmagazin, einer Webseite und diversen Veranstaltungen möchten wir eine unabhängige und transdisziplinäre Plattform bieten, auf der interessierte und engagierte Menschen den öffentlichen Diskurs bereichern.

Als Verein und in einem kleinen, dynamischen Team überlegen wir uns regelmässig, welche gesellschaftsrelevanten Themen diskussions- und streitwürdig sind. Wichtig ist hierbei, dass wir uns und allen Mitwirkenden die nötige Zeit und den nötigen Raum geben, was von den herkömmlichen Medien oft verunmöglicht wird. Unser Printmagazin erscheint viermal im Jahr und gibt ein Thema vor, welches aktiv debattiert werden soll. Provokative und freche Kommentare, die aus einer Laune heraus entstehen, sind genauso erwünscht wie tiefgründige und komplexe Sachverhalte. Durch eine spannende Mischung aus journalistischen, literarischen und künstlerischen Beiträgen streben wir einen fachübergreifenden Austausch an. Die Neugier und Offenheit gegenüber verschiedenen Ausdrucksformen macht diePerspektive zu einem nie dagewesenen Raum des ungebundenen und vernetzten Denkens.

Die Bewahrung unserer Unabhängigkeit und Transparenz sowie die Förderung einer offenen Diskussionskultur betrachten wir als essenziell für unsere Arbeit. Gleichzeitig bringt dies Herausforderungen mit sich, die jedes Printmedium kennt. Wir zählen sorgfältig unsere Batzeli und haben doch nie genug. Denn auch wenn wir nicht profitorientiert sind, müssen wir dennoch unsere Druckkosten decken. Umso wichtiger sind Partnerschaften mit anderen Vereinen, Institutionen und Medien sowie ein breitgefächertes Netzwerk, auf das wir zurückgreifen können. Unsere Leser sind unser ganzes Kapital. Sie bestimmen nicht nur, was abgedruckt wird, sondern auch wieviel ihnen ein Jahresabonnement wert ist.

Die Zeiten sind nicht immer einfach und oftmals mangelt es uns an wirklich guten Texten. Ja, die Messlatte ist hoch und wir brauchen euch, liebe Schreiberlinge und GrafikerInnen, mehr denn je. Wir haben viele Ideen und grosse Träume. Aber wir brauchen eure Unterstützung.

Nadja Hauser

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 Wir suchen noch Textbeiträge zum Thema «Streit vs. Harmonie»

Best of International Journalism Festival 2016

Karin Wenger

Mit einer 10-köpfigen Delegation reiste Junge Journalisten Schweiz vom 6. - 10. April 2016 ans International Journalism Festival 2016 in Perugia, Italien. Der Event gehört zu den wichtigsten Journalistenanlässen Europas, auf dem Programm standen mehr als 250 Präsentationen und Diskussionen. Ein Best of.

Foto: Eni on flickr, Creative Commons

Foto: Eni on flickr, Creative Commons

Fünf Themen dominierten das Programm: Daten- sowie Investigativjournalismus, Videos, Social Media und die Frage, wie man als Medium sein Publikum erreicht. Die 250 Panels können hier nachgeschaut werden. Wer nicht in hunderten Stunden Videomaterial versinken will: Hier eine Liste mit Diskussionen, die für Junge Journalisten Schweiz zu den Highlights in Perugia gehörten. Anschauen lohnt sich. Versprochen.

A golden age of investigative reporting?

Investigativ- kombiniert mit Datenjournalismus ist zukunftsweisend. Da sind die fünf Speakers des Panels einer Meinung. Wie man sich als Journalist geschickt Zugang zu Daten verschafft und wie man aus einem Stapel Papiere ein geordnetes Datenset erstellt – darüber debattieren Megan Lucero von The Times, Crofton Black und Abigail Fielding-Smith vom Bureau of Investigative Journalism sowie Alessandro Accorsi und Emanuele Midolo von der J-School City University London.   

News distribution: how has it changed?

Traditionelle Verbreitungsmethoden verlieren an Wirkung. Medienunternehmen können ihr Publikum heute durch Social Media um ein Vielfaches vergrössern. Wie werden neue Nutzer erreicht und wie wird gleichzeitig das Stammpublikum gepflegt? Wieso spielen nebst den Plattformen auch die Endgeräte eine grosse Rolle? Antworten geben Cecile Dehesdin von Buzzfeed Frankreich, Adriano Farano von Watchup, Luca Forlin von Google, Garrett Goodman von der Online Video Plattform Wochit und Renée Kaplan von Financial Times.

Video, Video, Video

Online Videos stehen hoch im Kurs: Die «Digital Leaders» werden laut einer Studie des Reuters Institute in diesem Jahr mehr Geld in diese investieren. Über Reichweite, Wirksamkeit und weshalb BBC-Korrespondenten mit Handys filmen diskutieren Trushar Barot von BBC World Service, Martin Belam von The Guardian, Holden Frith von The Week, Nikki Usher von der George Washington University und Garrett Goodman von Wochit. 

Women as bosses

Frauen erklimmen die Top-Positionen im Journalismus. Drei Chefinnen präsentieren persönliche Erkenntnisse und Massnahmen, die sie im Alltag für Gleichberechtigung einsetzen. Liz Heron von The Huffington Post, Mitra Kalita von The Los Angeles Times und Madhulika Sikka.

Raqqa is Being Slaughtered Silently

Vor ihrem Autritt wurden die Besucher mit Metalldetektoren gescannt: Abdalaziz Alhamza und Hussam Eesa, zwei Gründer der Aktivistengruppe "Raqqa is Being Slaughtered Silently". Unter ständigen Todesdrohungen filmen sie mit versteckter Kamera und berichten über die Gräuel, die im Krieg in Syrien von den IS-Terroristen und der freien syrischen Armee verübt werden. Eindrücklich schildern die zwei die Situation in ihrem Heimatland und erklären, wieso sie selbst nach der Ermordung ihrer besten Freunde nicht zu stoppen sind.

daslamm.ch macht Journalismus für die Zukunft

Janine Teissl

Der Name klingt harmlos. Doch dahinter verbirgt sich ein Team von kritischen NachwuchsjournalistInnen, die nicht locker lassen. Das digitale Zukunftsmagazin das Lamm macht Journalismus mit Haltung. Lamm-Redaktorin Anna Haselbach erzählt, wie alles an einem WG-Küchentisch begann, und warum das Team auch dann mit dem Journalismus weitermachen wird, wenn sich kein Rappen damit machen lässt.

Der 21. September 2009: Die Stimmung am Küchentisch der Zürcher WG ist euphorisch. Es hat tatsächlich jemand zurückgeschrieben! Die Umweltnaturwissenschafterin Alexandra Tiefenbacher regt sich schon lange darüber auf, dass die Stadt Zürich den Kompost nicht sammelt – und hatte kurzerhand nachgefragt, warum. Soeben hat sie eine Mailantwort bekommen von der Stadt. Keine plausible Erklärung zwar, aber immerhin: Der Herr von der Verwaltung hat sich die Mühe gemacht, zurückzuschreiben. Damit hat sie etwas in der Hand, um weiter nachzuhaken. „Ich möchte mehr Antworten!“ Michael Schilliger hingegen, Politologiestudent und ihr Mitbewohner, kümmert weniger, dass die Erklärung aus ökologischer Sicht wenig Sinn ergibt. Ihn fasziniert die ausführliche Antwort der Stadt. „Hier gibt es tolle Stories, die wir erzählen könnten!“ So entsteht der erste Text auf dem Lamm-Blog, „Wieso hat Zürich keine Kompostsammlung?“: Aus dem Bedürfnis nach Informationen für eine zukunftsfähige Lebensweise und aus Leidenschaft für gute Geschichten.

Fragen als journalistisches Konzept

Das Konzept ist so simpel wie einleuchtend: Alexandra und Michael beobachteten, dass Unternehmen und Institutionen trotz vollmundiger gegenteiliger Versprechen nicht nachhaltig wirtschaften. Aus KonsumentInnenperspektive fragen sie bei den Verantwortlichen nach, warum sie das tun. Warum ist das Biogemüse doppelt verpackt? Warum müssen bei einem Coiffeur nachts die Lichter brennen? Anschliessend veröffentlichen sie die (meist unbefriedigende) Antwort verpackt in eine Story. Damit führen sie den LeserInnen vor Augen, dass es sich lohnt, nachzufragen – dass ihr Konsumverhalten direkte Auswirkungen hat. Und zeigen, dass Journalismus mit Haltung etwas bewirken kann.

Heute, gut sechs Jahre später, ist aus den zwei WG-MitbewohnerInnen ein Team von zwölf ambitionierten, leidenschaftlichen JungjournalistInnen geworden. Und wir fragen immer noch. Inzwischen allerdings sind unsere Fragen allumfassender und die Themen komplexer geworden. Wir schreiben nicht mehr nur als KonsumentInnen, sondern nehmen beispielsweise politische Initiativen unter die Lupe, recherchieren, warum Palmöl so schädlich ist, oder porträtieren Personen, die mit ihrem unkonventionellen Lebensstil zeigen, dass auch Wohnformen jenseits von Einfamilienhaus und Pärchenwohnung funktionieren.

Diese inhaltlichen Veränderungen haben sich auch in der Form niedergeschlagen. Das Lamm gibt es jetzt auch auf Instagram, und dank unserer neuen, modularen Website können auch PendlerInnen in der S-Bahn auf dem Handy oder Tablet bequem unsere Artikel lesen. Daneben experimentieren wir mit verschiedenen innovativen journalistischen Formaten. Mit Erfolg. Rund 8000 Personen besuchen unsere Homepage pro Monat, und über 1000 LeserInnen haben unseren Newsletter abonniert.

Beim interdisziplinären Team aus Umwelt-, Sozial- und und GeisteswissenschaftlerInnen sind wir seit dem Küchentischmeeting von 2009 geblieben. Die Mischung führt manchmal zu hitzigen Diskussionen an den Redaktionssitzungen. Aber gleichzeitig finden wir viele der spannendsten Stories dort, wo unsere verschiedenen Blickwinkel aufeinandertreffen.

Ein zukunftsfähiges Finanzierungsmodell für das Zukunftsmagazin?

Damit das so bleibt entwickeln wir im Moment ein langfristiges Finanzierungsmodell. Bis jetzt arbeiten wir alle ehrenamtlich. Doch die Luft wird langsam dünn: Bereits jetzt investieren einige Lamm-RedaktorInnen bis zu 20 Stunden pro Woche in das Lamm. Deshalb soll neben Einzelspenden eine Mitgliedercommunity das Lamm mittragen. Dieses Modell ist nach wie vor das einzige, das unsere Unabhängigkeit garantiert. Und wir sind überzeugt, dass es in der Schweiz genug Leute gibt, die unsere Vision teilen und die bereit sind, für gut gemachten, differenzierten Journalismus zu bezahlen.

Es wird nicht einfach, das ist uns klar. Die Vorstellung, dass Onlinejournalismus gratis zu sein hat, hält sich hartnäckig in den Köpfen. Doch ein Versuch ist es allemal wert – und sei es nur, um wieder einmal darauf aufmerksam zu machen, dass guter Journalismus teuer ist. Und dass es verdammt schwierig ist, völlig unabhängigen, kritischen Journalismus zu betreiben. Sollten wir scheitern, machen wir trotzdem weiter, so gut es geht. Weil wir das Schreiben lieben und weil es heute mehr denn je Journalismus braucht, der darüber schreibt, wie unser Konsumverhalten, unsere Politik und unsere Lebensweise die Gesellschaft von morgen formt. Und für die Spenderin, die letzte Woche auf dem Spendeneinzahlungsschein vermerkt hat: „Danke für das, was ihr tut“.

P.S.

Wir suchen übrigens laufend Verstärkung! Bist du jung, engagiert und weisst, wie man komplexe Themen in präzise und spannende Texte giesst? Hast du Lust, das Lamm mitzugestalten? Dann lies hier weiter.

Anna Haselbach

Neuer Vorstand bei Junge Journalisten Schweiz

Janine Teissl

Junge Journalisten Schweiz wird ab sofort von einem Duo geführt: Mario Fuchs und Matthias Strasser sind an der Mitgliederversammlung als Co-Präsidenten gewählt worden. Sie werden von fünf neuen Vorstandsmitgliedern unterstützt.

Junge Journalisten Schweiz hat an der Mitgliederversammlung am Samstag, 27. Februar 2016, einen neuen Vorstand gewählt. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Mario Fuchs und Matthias Strasser leiten den Verband für junge Journalisten fortan als Co-Präsidenten. Neu im Vorstand sind Oliver Fuchs, Dominik Meienberg, Manuela Paganini, Miriam Suter und Karin Wenger. Das Generalsekretariat wird weiterhin von Janine Teissl geführt. Zurückgetreten sind der bisherige Präsident Elia Blülle, die Vizepräsidentin Luzia Tschirky sowie das Vorstandsmitglied Robin Schwarz. Der Verband dankt ihnen herzlich für ihr grosses Engagement im Dienste der jungen Journalisten in der Schweiz.

Mit dem vergrösserten Vorstand kann Junge Journalisten Schweiz noch mehr Energie in Projekte stecken. Zudem ist der Verein in der Schweizer Medienlandschaft breiter vertreten: Die Vorstandsmitglieder sind für Medien aus Print, Radio, TV und Online tätig. Matthias Strasser arbeitet als Redaktor beim Bundeshaus-Radio, er studierte Geschichte und Medienwissenschaften. Die Diplomausbildung am MAZ absolvierten Mario Fuchs, Reporter bei der Aargauer Zeitung, sowie Oliver Fuchs, Social-Media-Redaktor bei der NZZ. Ebenfalls die Schweizer Journalistenschule besucht Manuela Paganini, sie ist als MAZ-Stagiaire für Radio Freiburg unterwegs. Dominik Meienberg reiste in den letzten Monaten durch die Welt, zuvor war er stellvertretender Redaktionsleiter bei Radio Bern 1. Miriam Suter sitzt in der Online-Redaktion von annabelle.ch. Karin Wenger studiert Journalismus an der ZHAW und arbeitet am Newsdesk der SRF-Nachrichtensendung «10vor10».

Über Junge Journalisten Schweiz

Junge Journalisten Schweiz ist das Netzwerk für Medienschaffende bis 30 Jahre. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, junge Journalistinnen und Journalisten während Ausbildung, Praktika und ersten Festanstellungen zu begleiten und zu unterstützen. Er bietet jungen Journalisten eine nationale und globale Vernetzungsplattform, um mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Junge Journalisten Schweiz unterstützt zudem projektbasiert neue Formate und umfangreiche Recherchen, bietet Veranstaltungen sowie Weiterbildungen an und organisiert Teilnahmen an internationalen Medienkongressen.

Karin Wenger