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Blog

Wir öffnen dir die Tür zur Medienwelt!

Janine Teissl

Zuerst die unangenehme Nachricht: In den nächsten Wochen kriegst du von uns Post mit der Rechnung für den diesjährigen Mitgliederbeitrag. Teile uns bitte möglichst bald per Mail mit, falls du kürzlich umgezogen bist.

Für deine Unterstützung danken wir dir herzlich! Und diese Angebote gibts dafür:

Du bist gerade Journalistin oder Journalist geworden oder du befindest dich auf dem besten Weg dazu. Ob du wirklich gut schreibst, schneidest, filmst – ganz sicher bist du dir da noch nicht. Im Büro finden deine Arbeit alle «Ok» - aber so richtig kann dir niemand sagen wieso. Wir haben da was für dich: eine Tasse Kaffee mit eineR etablierten JournalistIn.

Auch wenn du bereits mit einem Fuss (oder beiden Füssen) im Business angelangt bist, sind wir für dich da. Denn wir wissen: Deine Story wird toll. Nur weiss das vielleicht dein Auftraggeber noch nicht und zögert, dich auf eine längere Recherche im In- oder Ausland zu schicken. Hier kommen wir ins Spiel mit unserem Recherchefonds - wir helfen dir, deine Reportage zu verwirklichen.

Aller guten Dinge sind drei: Wir öffnen dir auch wortwörtlich die Türen – mit dem Jugendmedienausweis. Dank unserer Kooperation mit dem Journalistenverband impressum geniesst unser Ausweis höchste Glaubwürdigkeit. Wir erinnern dich daran, dass du als Aktivmitglied kostenlos den Jugendmedienausweis beantragen kannst. Damit wir auch dir den Ausweis ausstellen können, benötigen wir von dir drei redaktionelle Beiträge aus dem letzten halben Jahr, die den Richtlinien entsprechen sowie ein aktuelles Foto von dir. Falls du dich also in der letzten Zeit gefragt hast, wo die diesjährige Press Card bleibt: dein Antrag und die Belege deiner Beiträge haben gefehlt. Sobald wir alles haben drucken wir den Ausweis und er landet innerhalb von ein paar Tagen in deinem Briefkasten.

Das war Wie?So! mit Charlotte Theile

Dominik Meienberg

Charlotte Theile / Bild: Martina Koch

Charlotte Theile / Bild: Martina Koch

„Es braucht mehr Stühle“, sagt Charlotte und es stimmt. Das Erkerzimmer im Karl der Grosse füllt sich allmählich. Die Menschen kommen, um Charlotte Theile zu hören - die junge Journalistin, die für die Süddeutsche Zeitung über die Schweiz schreibt. Wir sprechen über einen Artikel zum Thema Verdingkinder. Theile erzählt im Text die Geschichte von Anna Schnegg (Name geändert). Bevor wir darüber sprechen, liest Charlotte den Artikel vor.

„Jetzt bist du halt bei uns. Dieser Satz wird zur Überschrift ihrer Kindheit.“

„Sie wusste auch, dass nicht in Ordnung war, was ihr Pflegebruder von ihr wollte, wenn er nachts durch ihr Fenster stieg oder beide allein im Stall waren.“

„Die Ziegen im Stall, die sie liebte wie sonst nichts auf der Welt. Der Tag, an dem sie die Tiere zum Schlachter bringen musste.“

Bild: Martina Koch

Im Gespräch gehen wir darauf ein, wie traumatisierte Personen interviewt werden können. Charlotte Theile empfiehlt, auf jegliches Druckmachen zu verzichten. Der Interviewte gebe das Tempo vor, bestimme wann es eine Pause braucht und auch, wie viel sie oder er erzählen will. Im Gespräch Pausen aushalten sei ebenso wichtig wie die bewusste Ablenkung, wenn es zu viel wird. Dann solle man lieber einen Tee trinken oder über die Katze sprechen. Distanz schaffen.

Charlotte Theile erzählt, begründet, beantwortet Fragen aus dem Publikum, dass es nur so eine Freude ist. Sie beantwortet zum Beispiel die Frage, wie es nach einem solchen Artikel weitergeht. „Man muss klar machen, dass es eine professionelle Beziehung ist und keine Freundschaft“, sagt Theile. „Indem man nicht auf jede Whatsapp Nachricht antwortet und die Facebook-Freundschaftsanfrage nicht annimmt.

Charlotte Theile und Dominik Meienberg / Bild: Martina Koch

Charlotte Theile und Dominik Meienberg / Bild: Martina Koch

Ein toller Abend geht später ein Stockwerk weiter oben bei Wein, Bier, Wurst und Käse zu Ende. Es bleibt der Dank an Charlotte Theile sowie an alle, die gekommen sind. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe von Wie?So!

Informationen zum nächsten Wie?So! gibt es bald auf unseren Kanälen (Website, Facebook, Twitter).

Dominik Meienberg

Bild: Martina Koch

Das erhältst du in einem Praktikum bei...

Karin Wenger

Wie viel bezahlen Schweizer Redaktionen für ein Praktikum, wie lange ist die Mindest- und Maximaldauer? Wir sorgen mit einer Übersicht mit Angaben zu mehr als 80 Publikationen für Transparenz. Ein Bericht über den Entstehungsprozess. Und eine Einordnung der Ergebnisse, denn in diesen stecken mehr als die reinen Zahlen.

Unsere Übersicht soll nicht zur Rangliste werden für besonders faire oder skandalöse Praktikumsbedingungen. Was wir wollen: Transparenz. Junge Journalisten sollen wissen, was sie von einer Praktikumstelle erwarten und einfordern können.

Trotzdem ist es nicht okay, wenn die Basler Zeitung nur 600 Franken für einen Monat Praktikum bezahlt. Auch 500 Franken Lohn bei Radio Pilatus oder 700 Franken bei Radio FM1 sind keine fairen Bedingungen. Ein Praktikum sollte für alle zugänglich sein und nicht davon abhängen, ob die Berufseinsteiger noch zuhause wohnen oder von Eltern und Grosi unterstützt werden

Begeisterte Jungjournalisten mögen es in Kauf nehmen, während eines mehrmonatigen Praktikums vom Ersparten zu leben und auf Luxus zu verzichten. Doch selbst Spaghetti mit Tomatensauce von M-Budget sind nicht gratis. Und welcher Student oder Lehrabsolvent hat ein dickes Bankkonto?

Uns ist bewusst: Der Lohn wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dauer und Ort des Praktikums, die Vorbildung oder Zusatzleistungen wie das Besuchen von bezahlten Ausbildungskursen sind relevant. Die reinen Zahlen greifen aber nicht nur deshalb zu kurz.

Nebst Geld ist nämlich die Art und Weise der Betreuung zentral. Junge Journalisten wollen in einem Praktikum Neues lernen, besser werden. Learning by doing mag ganz zu Beginn beim Berufseinstieg noch funktionieren, doch ohne konstruktives Feedback ist der Stillstand bald erreicht. Es ist essenziell, dass ein erfahrener Journalist Zeit hat zu helfen, Fragen zu beantworten und Rückmeldungen zu geben. Hierfür bleibe im Alltagsstress auf der Redaktion wenig Zeit, haben wir oft von unseren Mitgliedern gehört.

Das Kapital des Qualitätsjournalismus von morgen sind gut ausgebildete Jungjournalisten. Anbieter von Praktika sind dafür nicht alleine verantwortlich, doch sie stehen in der Pflicht, ihren Schützlingen einen Journalisten an die Seite zu stellen, der Ressourcen für eine gute Betreuung zur Verfügung hat. Redaktionen, die Praktikanten als billige Arbeitskräfte sehen, schaden der Branche.

Wie ist unsere Übersicht entstanden? 

Wir haben den Redaktionen per E-Mail einen Fragebogen geschickt. Einige Publikationen haben unvollständig, beispielsweise ohne Angabe des Lohns geantwortet. In diesen Fällen fragten wir im JJS-Mitgliedernetzwerk nach, ergänzten die fehlenden Angaben wenn möglich und kennzeichneten sie als inoffiziell. Rund 20 Redaktionen reagierten trotz Nachfrage nicht. Was uns freut: Sehr viele, die geantwortet haben, füllten den gesamten Fragebogen aus. Was uns ärgert: Die Kommunikationsabteilung von Ringier liess das Lohnfeld leer, vom Tages-Anzeiger und der SonntagsZeitung kam überhaupt keine Antwort*. Die Grossen scheinen kein Interesse an Transparenz zu haben.

Was uns noch mehr ärgert: Nach dem Aufruf im Mitgliedernetzwerk für Angaben aus absolvierten Praktika erreichten uns auch mehrere Nachrichten wie "nach meinem Praktikum habe ich herausgefunden, dass mein Vorgänger mit ähnlicher Ausbildung und Erfahrung 1000 Franken mehr verdiente" oder "nach den ersten sechs Monaten ist die Bezahlung Verhandlungssache, ich erhielt dann 500 Franken weniger als meine Kollegin".

Höchste Zeit, dass wir unsere Übersicht veröffentlichen.

Karin Wenger

* Update: Ringier meldete sich kurz nach der Publikation der Praktikumsübersicht bei uns und lieferte die fehlenden Angaben nach. Auch der Tages-Anzeiger und die SonntagsZeitung haben uns mittlerweile geantwortet.

Wie?So! mit Charlotte Theile

Dominik Meienberg

Zürich, wir kommen! Am 10. Februar findet die Veranstaltungsreihe Wie?So! zum ersten Mal in Zürich statt. Exakt auf den achten Glockenschlag des Grossmünsters begrüssen wir Charlotte Theile im Karl der Grosse.

Wir fragen: Wie?
Theile sagt: So!

Charlotte Theile schreibt für die Süddeutsche Zeitung über die Schweiz. Ihre Texte bewegen, interessieren und machen Lust auf mehr.

Charlotte Theile, Quelle: zvg

Charlotte Theile, Quelle: zvg

Wir sprechen mit der Journalistin über ihren Text zum Thema "Verdingkinder", der in der Süddeutschen erschienen ist. Wie verkaufe ich meine Story an die Stammredaktion? Und wie gehe ich damit um, wenn mein/e Protagonist/in traumatisiert ist? Charlotte Theile liefert die Antworten.

Wir freuen uns auf Charlotte und natürlich auf euch. Der Journalismus lebt durch den Austausch von Erfahrungen. Genau das pflegen wir. Und ihr?

Alle Informationen zum Event findet ihr hier.

Die jungen Wilden - Hurra! (Federer, Clinton und Bauern ausgenommen)

Janine Teissl

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Nein, es war nicht das Jahr von Roger Federer. Auch nicht das Jahr von Hillary Clinton. Genauso wenig war es das Jahr der Kartoffelbauern. Es war jedoch – einmal mehr – das Jahr von jungen Menschen, die sich eine Stimme verschaffen, hinterfragen, diskutieren. Hier eine Auswahl von Online-Portalen, Audio-Podcasts und Print-Magazinen, die von jungen Schweizer JournalistInnen aus dem Boden gestampft wurden und betrieben werden.

Da gibt es das Online-Medium tize.ch. Ein Internet-Medium, von und für die junge Generation. Marc, zum Beispiel, nimmt den Leser mit an 7 Orte, für die er St. Gallen liebt. Habt ihr gewusst, dass es in der Ostschweizer Metropole Weiher gibt, mit Aussicht auf die Stadt? tize bietet auch Platz für Poesie. Oder für „13 richtig blöde und unnötige Webseiten“. Kennt ihr noch nicht? Dann los!

„Journalismus für die Zukunft“ macht das Team vom Zukunftsmagazin das Lamm. Es erscheint ebenfalls im Internet. Die kritischen NachwuchsjournalistInnen machen selbsternannten Journalismus mit Haltung. Auch die Softnews-Stories kommen nicht zu kurz. Eine schöne Anekdote ist die Fahrt auf einer Couch durch Berlin. Auch spannend: Wie viel Mühe machen Kühe dem Klima wirklich?

Der Verein diePerspektive will junge Menschen an der öffentlichen Meinungsbildung teilhaben lassen. Dies digital und print! Sei es die Spielsucht, ein post mortem Portrait über einen Spitalclown oder 10 Regeln für eine gute Wohngemeinschaft – die Vielfalt ist gross. Leider kämpft diePerspektive jedoch mit finanziellen Schwierigkeiten. Der offene und kämpferisch formulierte Brief auf der Webseite lässt uns jedoch hoffen, dass es weitergeht. Toitoitoi!

Ende Juli wurde das Online-Magazin Coup lanciert. Es ist ein neues, junges Online-Magazin, das dank einer Crowdfunding-Kampagne zustande kam. Publiziert wird einmal monatlich, eine Geschichte. Die InitiantInnen sind alle seit mehreren Jahren im Journalismus tätig. Im November geht’s um die Wölfe im Wallis.

Auf unserem Blog haben wir euch aber auch die „Podcast-Herren“ Luca Ghiselli und Angelo Zehr vorgestellt. Im Audio-Podcast Journalismus Y diskutieren sie über die technischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die Digitalisierung des Journalismus mit sich bringt.

Kürzlich konnten wir zudem von Negative White berichten – der Plattform für Kulturjournalismus. Negative White hat sich mit einer neuen Website für die Zukunft gerüstet, um dem Kulturjournalismus den Platz zu geben, den er in den traditionellen Medien immer weniger erhält.

Leider wurden dieses Jahr aber auch Medien von bzw. für junge Menschen eingestellt. Auf das Ende von joiz, NZZ Campus und der NZZ-Toolbox folgte kürzlich die letzte Ausstrahlung von Radio kantipark.ch. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen werden Wille und Engagement, ein unabhängiges Medium auf die Beine zu stellen, immer wichtiger.

An dieser Stelle gratulieren wir allen willensstarken, kreativen und engagierten Köpfen herzlich und danken euch für eure Arbeit. Hurra, der Journalismus lebt!

Dominik Meienberg

#JJ16 - ein voller Erfolg!

Janine Teissl

Vom 7. bis 9. Oktober 2016 haben wir im Zürcher Toni-Areal rund 70 junge Medienschaffende drei Tage lang zu einem abwechslungsreichen Programm zusammengebracht. Neben neuen Kenntnissen aus den Workshops konnten viele Teilnehmende ihr Netzwerk erweitern. Und natürlich kam auch der Spass nicht zu kurz!

Die fünfte Ausgabe des beliebten dreitägigen jungen Medienforums Journalismus jetzt kann auch 2016 als voller Erfolg bezeichnet werden. Am Freitag konnten die Teilnehmenden in verschiedene Redaktionen - unter anderem die der annabelle, des Tages-Anzeigers oder Radio Energy - reinschnuppern und die Journalisten mit ihren Fragen löchern, während am Abend eher Zuhören angesagt war: Rainer Stadler, Katia Murmann, Christoph Moser, Marc Lepetit und Hanspeter Krüsi diskutierten auf dem Podium das Thema «Journalismus in Extremsituationen». Spannend wurde es vor allem, als die Eingeladenen Schweizer Themen wie das Attentat von Salez oder den Vierfachmord in Rupperswil und ihre mediale Aufbereitung diskutierten.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Weiterbildung. Die Teilnehmenden hatten die Qual der Wahl unter Text-, Radio- und Fotoworkshops. Viele davon wurden von renommierten Medienschaffenden wie Jakob Bächtold, stellvertretender Chefredaktor des Landboten oder Rolf Cavalli, Chef Digitale Medien und stellvertretender Chefredaktor der az Nordwestschweiz, geleitet.

Beim feinen, kreativen Znacht von unserem Foodtruck der Firma Foodbags wurde anschliessend die Zeit zwischen den Workshops und dem Konzert von Riders Connection im Stall 6 mit einer Wandelhalle überbrückt. Der Verein Junge Journalisten Schweiz, die Fachhochschulen ZHAW und ZHdK, das junge Onlinemagazin tink.ch sowie der Journalistenverband impressum stellten sich vor und beantworteten Interessierten ihre Fragen.

Den Sonntag liessen wir schliesslich beim gemütlichen Brunch sowie spannenden Inputreferaten von Helene Aecherli und Angelo Zehr ausklingen. Was will man mehr?

Wir freuen uns bereits auf #JJ17 und hoffen, du bist wieder dabei!

Valérie Jost

Negative White – für eine Kultur mit Qualität

Janine Teissl

Seit bald sieben Jahren versucht das Online-Magazin Negative White dem Kulturjournalismus seinen Platz zurückzugeben. Müde sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch lange nicht: Es stehen grosse Veränderungen an, verrät Redaktionsleiter Janosch Tröhler.

Beginnen wir mit einer These: Der Kulturjournalismus liegt im Sterben. Die grossen Medienhäuser schlingern in der Krise. Ihre Reaktion auf wegbrechende Werbeeinnahmen und sinkende Abo-Zahlen besteht aus einer tödlichen Spirale aus Sparmassnahmen. Und wo saust die Guillotine am ehesten runter? Beim Luxusgut: dem Kulturjournalismus.

Dabei ist das ein Trugschluss. Denn Kultur ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit Kultur – also der Mehrwert des Kulturjournalismus – ist im besten Fall auch immer eine Auseinandersetzung mit unserer Umwelt.

Während der Aderlass auf den Redaktionen fröhlich in die nächste Runde geht, formiert sich ein neuer Kulturjournalismus im Netz. Unzählige Plattformen besprechen Konzerte, Theater, Filme, Bücher und Alben. Dazu gehört auch das Online-Magazin Negative White. Doch wir möchten mehr, als einfach gratis Konzerte besuchen oder kostenlos neue Musik abstauben. Nein, Negative White will dem Kulturjournalismus seine Bedeutung zurückgeben. Kultur verdient Qualität.

Das ist natürlich ein hochtrabendes Ziel. Daran haben wir – mein Bruder Nicola und ich – keine Gedanken verschwendet, als wir 2009 die Idee für Negative White hatten. Wir waren naseweise Grünschnäbel. Wenn wir heute unsere erste Website anschauen, die ersten Texte lesen, war das Dilettantismus auf hohem Niveau. Wir machten einfach mal.

Heute – fast sieben Jahre später – können wir auf Interviews mit Paul McCartney oder Gabi Delgado zurückschauen. Wir haben Konzerte im kleinsten Hinterhofclub bis ins Letzigrund besprochen. Besuchten Festivals von der Grösse einer Gartenparty bis zu Megaevents wie das Wacken.

Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen. Auf dem Weg werden wir immer wieder auf die Schnauze fallen. Aber es ist wie im Moshpit – irgendwie kommst du immer wieder auf die Beine. Dann geht der Pogo weiter.

Manchmal sind wir selbst erstaunt, wo wir heute stehen. Und das alles dank alles andere als selbstverständlichen Ehrenamtlichkeit von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Partnern, Freunden und Kollegen. Ohne Leidenschaft geht es nicht.

Am 2. November 2016 ging unsere neue Website live. Nach über 150 unbezahlten Arbeitsstunden. Sie soll das Fundament bilden für den Kulturjournalismus, den wir uns wünschen. Selbstverständlich braucht es dafür Geld. Deshalb arbeiten wir an Ideen, welchen Service wir unseren Leserinnen und Lesern bieten können, für den es sich zu zahlen lohnt. Wir denken über Personalisierung und Crowdsource-Projekte nach. Wir bleiben rastlos.

«Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen», sagte einst Mahatma Ghandi. Das gilt für uns im Kulturjournalismus ebenso wie für den Journalismus im Allgemeinen.

Negative White findest du auf Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Spotify. Wenn du Lust hast, bei uns mitzuarbeiten, findest du hier weitere Infos.

Janosch Tröhler

Praktikum in Tel Aviv: Eine Anleitung

Manuela Paganini

 

Redaktionelle Praktika sind der Einstieg in den Journalismus. Möglichkeiten dazu bieten sich nicht nur in der Schweiz. Denn deutschsprachige Redaktionen gibt es auf der ganzen Welt.

Arbeitsort Tel Aviv: Die Stadt ist eine von vielen, in denen es eine deutschsprachige Zeitschrift gibt. Bild: Manuela Paganini

Arbeitsort Tel Aviv: Die Stadt ist eine von vielen, in denen es eine deutschsprachige Zeitschrift gibt.
Bild: Manuela Paganini

Frühling 2014, ich absolviere mein erstes redaktionelles Praktikum bei der Unternehmerzeitung. Alles ist neu, spannend und ich gebe mir Mühe, so wichtig zu wirken, wie ich mich fühle. Daneben frage ich mich, was ich anschliessend mache. Noch ein Praktikum auf einer Redaktion ganz wo anders wäre ideal.

Ich stosse auf die Webseite der Internationalen Medienhilfe. Die verkündet, sie vermittle Praktika in deutschsprachigen Redaktionen im Ausland. Kostenlos. Die Bedingungen: Die Bewerber müssen über 20 Jahre alt sein und schon einmal auf einer Redaktion gearbeitet haben. Darunter stehen ganz viele Zitate im Stil «Vielen Dank, mein Praktikum war ganz wunderbar».

Natürlich rufe ich da an, mit klopfendem Herzen. Jaaa, doch, ein Praktikum vermitteln könnte er, sagt ein Herr in glattem Hochdeutsch am anderen Ende der Leitung. Was für Erfahrungen ich denn mitbringe, was ich mir vorstelle. Das ganze bitte schriftlich per E-Mail, in zwei Tagen dürfe ich mich nochmals melden. Zwei Tage später fragt mich derselbe Herr, ob ich lieber nach Dubai, Rumänien oder Israel möchte. Ich erhalte die Kontakte der Redaktionen und ein paar Tipps für meine Bewerbungsmail. Wohin es geht darf ich aussuchen.

Damit ist die Vermittlungstätigkeit der Internationalen Medienhilfe getan. Ich schreibe eine enthusiastische E-Mail an die Zeitschrift in Israel. Sie heisst MB Yakinton, ist seit 80 Jahren in Tel Aviv ansässig und ein Zeitzeugnis in sich. Bei MB Yakinton ist das Interesse grundsätzlich gross. Lohn ist keine Option, aber sie kümmerten sich um mich, wenn ich denn einmal da sei, schreibt man mir. Nur als es konkret wird, muss ich während vier Monaten nachfragen, bis ich die Zusage erhalte.

Viel Zeit und Hartnäckigkeit lohnt sich. Denn einmal vor Ort werde ich tatsächlich sehr gut betreut. Der Chefredaktor, Michael Dak, findet eine WG für mich, holt mich vom Flughafen ab und organisiert mir sogar ein Handy für meinen Aufenthalt. Die kommenden sechs Wochen tauche ich ein in das Archiv von MB Yakinton, schreibe wie sich dessen Berichterstattung verändert hat und halte alle anderen Eindrücke in meinem Blog fest. Ich besuche Jerusalem und das Westjordanland und ich habe tiefgründige Diskussionen mit Mitgliedern der Redaktion und völlig Unbekannten am Strand.

Die Zeit zeigt mir, wie vielschichtig der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist. Aber auch, dass das Leben dort nicht nur von dem Konflikt geprägt ist. Und wenn es überhaupt ein Fazit zu so einem komplexen Thema geben kann, dann dass Geduld mehr bringt als Verzweiflung.

Monate später bittet mich die Internationale Medienhilfe um einen Bericht über mein Praktikum. Und erst als sie den deutlich verspätet erhält, werde ich darauf hingewiesen, dass ich für ihren Dienst etwas spenden kann, wenn ich will.

Das Angebot der Internationalen Medienhilfe ist einfach, aber es öffnet Türen, von denen ich vorher nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gibt. Mit meiner Spende habe ich ein Buch erhalten. Auf 320 Seiten listet es weitere Redaktionen auf der Welt auf. Alle sind deutschsprachig und alle sind potentielle Ziele für weitere Praktika.

Manuela Paganini

Und ewig sparen die Verleger

Karin Wenger

Christof Moser und Constantin Seibt wollen mit dem Start-up «Project R» einen Gegenpol zu den traditionellen Medienhäusern bilden. Moser spricht im Kurz-Interview über die neusten Sparmassnahmen bei Tamedia, über Praktika bei den grossen Verlagen und er verrät, dass «Project R» auch junge Journalisten an Bord holen wird.

Freuen sich über «Project R»: Christof Moser und Constantin Seibt. Copyright: project-r.construction

Freuen sich über «Project R»: Christof Moser und Constantin Seibt. Copyright: project-r.construction

«Sparen» ist das Lieblingswort der Schweizer Verleger. Gespart wird überall, wo noch Leben auszupressen ist – und auch dort, wo längst Blut fliesst. AZ Medien: minus 26 Stellen. Tamedia: minus 31 bei «24 heures» und «Tribune de Genève», minus 5 bei der Berner Zeitung. Nun wurde bekannt: ein Quäntchen Leben ist noch zu holen beim «Tages-Anzeiger» und der «SonntagsZeitung». Die Redaktion soll zwölf Prozent billiger werden. Hierfür seien ein unbegrenzter Artikelaustausch mit der «Süddeutschen Zeitung» sowie ein Stellenabbau vorgesehen, schreibt der Journalist Christof Moser in der Schweiz am Sonntag. Tamedia-Vertreter wollten dazu im Artikel keine Stellung nehmen.

Im Herzen vieler Jungjournalisten tobt ein Kleinkrieg. Praktika bei renommierten Medientiteln versprechen den Einstieg in die Branche und wertvolle Kontakte – doch will ich ein Praktikum bei einem Verlag, der spart, wo nichts mehr zu holen ist? Bei einem Verlag, der mit höchstem Engagement mein künftiges Berufsfeld aushöhlt?

Ich habe Christof Moser genau diese Frage gestellt – und natürlich auch, was er und sein Baby «Project R» für junge Journalisten tun werden.

Was denkst du über die geplanten Sparmassnahmen bei Tamedia?
Warten wir die offizielle Kommunikation ab. Grundsätzlich sind die Sparmassnahmen eine Bestätigung der Gründe, warum wir «Project R» lancieren. Die Verleger steigen aus dem Journalismus aus. Ohne funktionierende Redaktion verliert der Journalismus seine Seele. Und das spürt auch das Publikum.

Nun sind junge Medienschaffende auf Praktika angewiesen, um in die Branche einzusteigen. Rätst du ihnen, auf Praktikastellen bei Tagi und Blick zu verzichten?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe zwischen 20 und 30 bei fünf verschiedenen Redaktionen das journalistische Handwerk gelernt. Dieser breite Einblick in die Medienbranche hilft mir heute sehr. Was ich aber rate: Widerborstig zu sein und nicht alles zu machen, was die Chefs wollen.

Hast du hierfür ein konkretes Beispiel?
Nichts schreiben oder produzieren, wozu man nicht stehen kann. Rote Linien definieren, bevor man sie braucht. Für mich war zum Beispiel immer klar: ich mache keinen Journalismus, der nach unten tritt.

Stichwort «Project R»: Du und Constantin Seibt habt ein unabhängiges Medium gegründet. Was wollt ihr damit erreichen?
Wir wollen dem Journalismus seinen Platz zurückgeben: als verlässlicher Wachhund der Demokratie. Und eine Bewegung schaffen, die guten Journalismus will und unterstützt.

Wird es auch für junge Journalisten Platz haben in «Project R»?
Na klar. Sowohl im Team wie auch im Freelancer-Pool. Und: wir werden auch ausbilden!

Oh, das freut mich. Kannst du da schon ein paar Details mehr verraten?
Leider nein. Wir stecken mitten in der Arbeit.

Letzte Frage: Was brauchen junge Journalisten, um sich künftig im Medienmarkt zu behaupten?
Das Gleiche wie schon vor 5, 10 oder 20 Jahren: Mut, kritisches Denken und eigene Ideen.

Text: Karin Wenger